Wirtschaft : Plädoyer für die sportliche Marktwirtschaft

JULIA MEICHSNER

BERLIN . Fußball ist prima - darin waren sich die drei Herren auf dem Podium einig. Allerdings unterschied sich die Begründung des Präsident des Deutschen Fußbball-Bundes (DFB), Egidius Braun, deutlich von denen seiner beiden Diskussionspartner Gerd Niebaum, Präsident von Borussia Dortmund, und Michael Dornemann, Vorstandsmitglied der Bertelsmann AG. Doch die drei hielten trotz gelegentlicher Kontroversen den Ball weitgehend flach bei einer Diskussionsveranstaltung der Alfred Herrhausen Gesellschaft am Wochenende über die Vermarktung des Profifußballs."Fußball muß mehr sein, als eine Geldbeschaffungsmaschinerie", forderte Braun. Damit wehrte sich der DFB-Präsident gegen den Begriff des sogenannten "Fußballkapitalismus", der von den Veranstaltern provozierend als Diskussionsthema vorgegeben worden war. Braun machte sich stark für die drei Säulen, die seiner Ansicht nach den deutschen Fußball tragen: die Profis, die Amateure und das soziale Engagement, insbesondere in der Jugendarbeit. Er wies darauf hin, daß sich über eine Million Fußballbegeisterte ehrenamtlich rund um den Rasen einsetzten. "Fußball ist ein Stück Lebensqualität." Allerdings konnte auch der leidenschaftliche Amateurkicker an der DFB-Spitze nicht leugnen, daß die Abwehr gegen den Einfluß des Geldes immer mehr bröckelt.Die Vorlage nutzte Niebaum und stürmte nach vorn: "Ich bin ein klarer Verfechter der Marktwirtschaft im Fußball", erklärte der Dortmunder Präsident und kündigte an, daß sein Verein an die Börse gehen wolle. Denn, so seine Erklärung, die Vereine müßten sich auch auf diesem Wege dem Fan gegenüber öffnen. Dabei ginge die Freude am Sport schließlich nicht verloren, wie Branchenführer Manchester United mit der Börseneinführung bewiesen habe. Der Paß innerhalb der Mannschaft der Markwirtschaftsverfechter kam an: Dornemann, Vorstandmitglied der Bertelsmann AG, zu der wiederum der langjährige Champions-League-Sender RTL gehört, sprach sich für eine "sportliche Markwirtschaft" aus. Angebot und Nachfrage würden kurzsichtiges Verhalten von selbst korrigieren. Dornemann räumte ein, daß die Preise für die Übertragungsrechte - wie eben bei der Champions League - ein vertretbares Maß bisweilen übersteigen. "Man muß auch mal nein sagen können." Da kein adäquater Gegner von den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten zugegen war, blieb es der Moderatorin Brigitte Seebacher-Brandt überlassen, den Ball im Spiel zu halten. Dabei bekam sie Hilfestellung aus dem Auditorium: Willi Lemke, langjähriger Manager von Werder Bremen, saß in der ersten Reihe. Er versuchte, die Sorglosigkeit des Podiums bezüglich der Fußballzukunft zu stoppen: Die Bundesliga sei für die Fernsehsender nur so lange interessant, wie sie auch Geld abwerfe. Eine Übersättigung der Fernsehzuschauer sein nicht unwahrscheinlich. Auch Nienbaum erinnerte daran, daß die Bundesliga mit ihrem 18 Mannschaften ausschließlich von der Nachfrage der Fans lebe. Gegenwärtig jedoch sieht er "für dieses wunderbare Produkt keine Gefahr". Damit übernahm für den Rest der Diskussion die Mannschaft der Marktverfechter die Führung. Brauns Forderung, daß der DFB-Pokal als Wettbewerb zwischen Profis und Amateuren auch künftig ausgetragen werden solle, blieb da nur eine Randbemerkung.Im Publikum war ein weiterer Befürworter der Professionalisierung zu finden: Herta BSC-Aufsichtsrat Rupert Scholz bekräftigte die Bedeutung von Investitionen und Marketing im Verein. "Was nützen gute Spieler, wenn das Management nicht stimmt?" Deshalb wolle auch der Herta-Aufsichtsrat den Verein in eine Kapitalgesellschaft überführen. Allerdings solle dabei nichts überstürzt werden: "Schritt für Schritt zum europäischen Spitzenclub."

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