Wirtschaft : Planer auf dem Abstellgleis

Die Bahn muss Stellen streichen, weil der Bund weniger Zuschüsse gibt – und die Bahnindustrie klagt über einen Auftragseinbruch

Carsten Brönstrup,Bernd Hops

Berlin - Wegen der gekürzten Bundeszuschüsse muss die Deutsche Bahn in großem Umfang Personal abbauen. Bei der konzerneigenen Planungsgesellschaft DB Projektbau fallen bis Ende kommenden Jahres bis zu 1500 Stellen weg, wie ein Bahnsprecher dem „Tagesspiegel am Sonntag“ bestätigte. Auch bei der Industrie werden Arbeitsplätze abgebaut. Nach ersten Schätzungen des Verbands der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) sind im ersten Halbjahr rund 2000 Stellen vor allem bei Infrastrukturfirmen gestrichen worden. Weitere 2000 sind bedroht. „Eine solch dramatische Situation haben wir seit Jahrzehnten nicht erlebt“, sagte VDB-Hauptgeschäftsführer Michael Clausecker dem Tagesspiegel.

Die Bundesregierung hatte die Ausgaben für die Bahn wegen der anhaltenden Wirtschaftsflaute und der Ausfälle durch die verschobene Lkw-Maut stark gekürzt. Berlin hatte der Bahn im vergangenen Jahr mehr als vier Milliarden Euro überwiesen, für 2004 sind nur 3,74 Milliarden Euro bereitgestellt. Und in den Folgejahren muss der Staatskonzern mit noch weniger Geld auskommen. Neue Strecken werden kaum gebaut, weil alleine 2,5 Milliarden Euro jährlich in den Erhalt des bestehenden Schienennetzes investiert werden müssen. Nur 66 neue Projekte stehen noch auf einer Liste, über die sich die Bahn mit dem Bund geeinigt hat.

Das bedeutet für die DB Projektbau weniger Arbeit. „Wir sind gezwungen, den Personalbestand der Auftragslage anzupassen“, sagte ein Sprecher der Sparte. In diesem Jahr müssten etwa 500 bis 600 Stellen abgebaut werden. 2005 würden es noch einmal zwischen 850 und 900 sein. Berlin als größter Standort von DB Projektbau werde auch von den Kürzungen betroffen sein. Unklar sei noch, wie stark. Für die betroffenen Mitarbeiter bemühe sich die Bahn um freie Stellen im Konzern, sagte der Sprecher. 200 Leute hätten bereits eine passende Beschäftigung über den konzerninternen Arbeitsmarkt gefunden. Dies wolle man fortsetzen. Ende 2003 arbeiteten noch 5400 Menschen bei der DB Projektbau.

Die Gewerkschaft Transnet kritisierte die Bahn. Statt Personal abzubauen, solle das Unternehmen versuchen, zuvor nach außen vergebene Aufträge wieder im Konzern zu erledigen, verlangte ein Sprecher. Zudem solle die Bahn „schauen, ob sie auch für andere Unternehmen die Planung übernehmen kann“.

Auch in der Bauindustrie sorgt die Investitionskürzung für Probleme. „Im ersten Halbjahr sind der Umsatz um zehn Prozent und die Aufträge um 32 Prozent zurückgegangen“, sagte Heiko Stiepelmann, Sprecher des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie. Das sei eine Folge der „dramatischen Absenkung der Mittel“. Zwischen 2004 und 2008 fehlten insgesamt 3,3 Milliarden Euro. „Das wird bei den Firmen nicht ohne Wirkung auf die Arbeitsplätze bleiben.“

Bahnindustrie-Sprecher Clausecker sieht die schwierigste Situation bei den Infrastrukturunternehmen. Im ersten Halbjahr seien so gut wie keine Aufträge von der Bahn gekommen. „Und es zeichnet sich ab, dass sich auch im weiteren Verlauf des Jahres nichts großartig ändern wird“, sagte Clausecker. Besser gehe es den Fahrzeugherstellern. Die seien mit den bestehenden Aufträgen ausgelastet. Problematisch könne es aber im nächsten Jahr werden. „Es gibt kaum noch Auftragseingänge aus dem Inland“, sagte Clausecker. Dabei müsse es zurzeit einen Boom bei den Bestellungen geben. Denn die seien eigentlich in einer Reihe von Regionalverkehrsverträgen vorgesehen, die im vergangenen Jahr zwischen Bahn und Ländern abgeschlossen wurden.

„Die Lage beunruhigt uns“, sagte Klaus Baur, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bombardier Transportation Deutschland, dem weltweit größten Zughersteller. Nicht nur die Bahn habe ihre Aufträge stark reduziert. „Auch andere Unternehmen halten sich mit Bestellungen zurück“, sagte Baur. Allerdings hoffe man, dass sich in diesem Jahr noch etwas tun werde. Im vergangenen März hatte Bombardier bereits ein Restrukturierungsprogramm aufgelegt. Insgesamt hat Bombardier noch 35 Bahnwerke in Europa, sieben sollen geschlossen werden, in Deutschland Ammendorf in Sachsen-Anhalt. Das Unternehmen, so Baur, müsse jedoch kontinuierlich auf die Balance von Produktionskapazität und -auslastung achten. „Ist die Auslastung nicht gegeben, sind Anpassungsmaßnahmen unumgänglich.“

In Zukunft hängt vieles von der weiteren Investitionspolitik der Deutschen Bahn ab. Nach Branchenschätzungen erzielt Bombardier in Deutschland ein Drittel seines Umsatzes mit Aufträgen des Konzerns. Große Impulse aus dem Auslandsgeschäft, das in etwa für ein weiteres Umsatzdrittel steht, werden nicht erwartet. So müssten Aufträge in China vor allem durch lokale Produktion gedekct werden, sagte Baur. „Und auch in Europa sind nur wenige große Highlights bei den Bestellungen in Sicht“, sagte Baur.

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