Wirtschaft : Planet Internet GmbH: Keine Zeit zum Golf spielen

Corinna Visser

Bevor Gyula de Ploeg im April diesen Jahres nach Berlin kam, hat er in den Niederlanden ein dreitägiges Kulturtraining absolviert. "Das ist in unserem Unternehmen üblich, bevor man ins Ausland geht", sagt de Ploeg, Geschäftsführer der Planet Internet GmbH. Der Onlinedienst ist eine 100-prozentige Tochter des niederländischen Telekomkonzerns KPN. Einer der großen Unterschiede zwischen dem Arbeiten dort und hier: "Die Niederländer gehen oft unvorbereitet in ein Meeting, sie improvisieren gern. Die Deutschen sind dagegen immer gut vorbereitet - und pünktlich." Aber, sagt de Ploeg, man komme nie in eine repräsentative Umgebung, und in Internetfirmen geht es sowieso anders zu als in anderswo.

So steht etwa de Ploegs Schreibtisch in einer Ecke des Großraumbüros: keine Türen, nichts weist darauf hin, dass hier der Chef sitzt. "Das offene Büro passt zu unserer Philosophie." Am anderen Ende der Etage ist der Gemeinschaftsraum. "Wenn die Mitarbeiter an meinem Schreibtisch vorbeikommen, ist es ganz einfach, Kontakt zu haben."

Im April startete de Ploeg in Berlin im Zwei-Mann-Team mit dem Aufbau der Firma. Zunächst mietete er Büroräume am Potsdamer Platz. "Gibt es einen prätenziöseren Ort in Berlin als den Potsdamer Platz?", fragte der Vorstand in Amsterdam. Doch für den Anfang sei es das Beste gewesen, sagt de Ploeg. Ein weiterer Vorteil des Standortes: Von seinem Wohnort in Mitte war er gut mit Inline-Skates zu erreichen. "Die Leute haben sich sehr gewundert, wenn wir morgens auf Rollen ins Büro gekommen sind." Zwei Monate später hatte er bereits die neuen Räume in Tempelhof gefunden: drei helle Büro-Etagen, 4000 Quadratmeter. Hier wird nicht repräsentiert, hier wird gearbeitet. Seit Oktober ist Planet Internet am Netz. Etwa 90 Mitarbeiter arbeiten jetzt hier.

Inzwischen spricht de Ploeg sehr gut deutsch, auch wenn er mit den eigenen Sprachkenntnissen noch nicht ganz zufrieden ist. De Ploeg wurde 1950 in Amsterdam geboren. Ein Jahr später zog die Familie nach Budapest. Vom ungarischen Großvater hat er seinen Vornamen. 1956, kurz nach dem Aufstand in Ungarn, kehrte die Familie nach Holland zurück - damals sprach er kein Wort Niederländisch. Nach dem Studium der Elektrotechnik begann der Ingenieur 1973 seine Karriere als Management-Trainee bei KPN. Der Firma ist er treu geblieben. "Immer wenn ich Ambitionen hatte, etwas Neues zu machen, dann war das möglich." Bis 1998 war er als Vertriebsleiter, kaufmännischer Direktor und General Manager für KPN in verschiedenen Regionen in den Niederlanden tätig. Dann ging er für 18 Monate zurück nach Ungarn, um dort das Telekommunikationsunternehmen Pantel mit aufzubauen.

"Ich habe es sehr genossen, im Ausland zu arbeiten", sagt der 50-Jährige. Daher sei er auch gerne nach Deutschland gegangen, um wiederum ein Start-up auf den Weg zu bringen. Vor April 2000 ist er noch nie in Berlin gewesen. Für den Standort Berlin habe man sich entscheiden, weil man große Erwartungen in die kreative Szene setzte - und sei auch nicht enttäuscht worden. Bisher hat de Ploeg es in seiner Berliner Zeit nur ein einziges mal in die Oper geschafft. "Für Hobbys bleibt im Moment keine Zeit." Den Golfschläger nimmt er manchmal mit ins Büro, um zur Entspannung ein Paar Schläge zu üben. Und wenn er am Wochenende mal heim nach Holland fährt, steigt er auf sein Motorrad, eine BMW.

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