Wirtschaft : Plasma-Select: Pharma-Unternehmen verärgert die Börse

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Ein Fall wie Gigabell oder Infomatec ist es zwar nicht, weil das Unternehmen auf soliden Beinen steht. Aber was sich der Vorstand von Plasma-Select am Montag geleistet hat, ist alles andere als eine Glanzleistung und hat dem Neuen Markt weiteren Schaden zugefügt. Viele Anleger sind genauso sauer wie Anlageberater bei Banken, wie etwa bei der BHF-Bank, die das Unternehmen im Februar an die Börse gebracht hat. Am Montagmorgen hat das im mecklenburgischen Teterow angesiedelte Pharma-Unternehmen in einer Ad-hoc-Mitteilung erklärt, im dritten Quartal habe man erstmals die Gewinnschwelle erreicht. Gegenüber dem zweiten Quartal sei der Umsatz um 200 Prozent gestiegen.

Daraufhin kletterte der Kurs des Unternehmens um rund fünf Prozent, ungeachtet der Tatsache, dass Plasma-Select am Ende der Mitteilung darauf hinwies, dass die Kostenübernahme für das Produkt RheoSorb durch die Krankenkasse noch nicht vorliege und sich damit die beim Börsengang im Februar geäußerten Umsatzprognosen nicht realisieren ließen. Die Zulassung erwartete man jetzt für 2002. Was sich dahinter verbarg, war zunächst allenfalls wenigen Profis klar. Selbst eingefleischten Börsianer wurde es erst bewusst, als die Plasma-Select-Manager auf einer Analystenkonferenz die Karten auf den Tisch legten. Statt 18 Millionen Euro wird das Unternehmen in diesem Jahr nur noch 10,2 Millionen Euro umsetzen. Der Verlust bei Plasma-Select, das vor sechs Wochen von Bundeskanzler Gerhard Schröder bei seinem Besuch in Teterow noch hoch gelobt wurde, wird bei fast 15 Millionen Euro liegen, statt der bisher anvisierten 7,4 Millionen Euro. Die Folge: Der Kurs der Aktie stürzte bis zum Montagabend um fast 20 Prozent auf ein Jahrestief von 31 Euro. Am Dienstag ging die Talfahrt mit einem Minus von zeitweise bis zu 27 Prozent weiter. Die Plasma-Select-Aktie war im Februar zu 45 Euro an den Neuen Markt gebracht worden und notierte im März bei 179 Euro.

Klaus Niedermeier, zuständiger Analyst bei der BHF-Bank, stufte die Plasma-Select- Aktie sofort von Kaufen auf Verkaufen herab und hält sie jetzt allenfalls für langfristig orientierte Anleger für interessant. Mit dem Management geht er noch relativ moderat um. Er wirft dem Vorstand eine problematische Außendarstellung vor - auf der Homepage von Plasma-Select war am Dienstag nur die eher nichtssagende Ad-hoc-Mitteilung zu lesen, aber nichts von den dramatischen Zahlen - und eine viel zu optimistische Einschätzung der Chancen für die Kassenzulassung des Hauptproduktes RheoSorb.

Allerdings sei es gefährlich, Plasma-Select in die Nähe von Gigabell oder anderen Problemfällen am Neuen Markt zu rücken. Das Unternehmen sei noch sehr liquide und verfüge über flüssige Mittel von 170 Millionen Mark aus dem Börsengang, wie Uwe Färber von Plasma-Select betont. "Die Forschung wird forciert. Die Finanzierung erfolgt aber aus dem Cash-Flow und Fördermitteln." Das Unternehmen habe im Gegensatz zu den Pleitekandidaten am Neuen Markt keine "Burn-Rate", das heißt, es ist nicht davon bedroht, dass die laufenden Ausgaben die flüssigen Mittel in absehbarer Zeit aufzehren.

Richtig sauer jedoch sind dem Vernehmen nach die Anlagerberater vor allem bei der BHF-Bank. Sie hatten sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Unternehmen befasst, auch in direkten Gesprächen mit dem Vorstand, und waren nach dessen Darstellungen vom Erfolg des Unternehmens überzeugt. Am Dienstag reagierten sie bitter enttäuscht und empfahlen ihren Kunden, die Plasma-Select-Aktie sofort zu verkaufen. "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende", meinte eine Anlageberaterin. Nicht nur für sie haben Vorstandschef Karl-Heinz Riggers und seine Kollegen fast jegliches Vertrauen verspielt. Das Unternehmen verteidigt sich zwar. Färber erklärte, es sei nicht abzusehen gewesen, dass den Krankenkassen die erste Studie zu RheoSorb nicht ausreichen würde. Und das Unternehmen habe ja noch weitere, bereits eingeführte Produkte. Doch ob das den Anlegern ausreichen wird, ist fraglich. Die positive Fantasie ist erst einmal verflogen.

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