Plastikverpackungen von "Einkauf aktuell" : Aufstand gegen Werbeflut im Briefkasten

Ein 18-Jähriger stört sich an den Plastikverpackung der Werbepost „Einkauf aktuell“ der Deutschen Post und startet eine Online-Petition – 60.000 Verbraucher unterstützen ihn.

André Jahnke
2900 Tonnen Folie sind für „Einkauf aktuell“ nötig, moniert Fabian Lehner.
2900 Tonnen Folie sind für „Einkauf aktuell“ nötig, moniert Fabian Lehner.Foto: dpa

Fast jeder kennt die Werbezeitschrift „Einkauf aktuell“. Samstags liegt sie in den Briefkästen von bundesweit etwa 20 Millionen Haushalten. Wer die Broschüre aber einfach ungeöffnet ins Altpapier werfen will, steht vor einem Problem: Das Heftchen ist in eine Plastikfolie gehüllt. Genau dagegen setzt sich nun ein 18 Jahre alter Niederbayer zur Wehr – und legt sich sogar mit der Deutschen Post AG an, die die Zeitschrift versendet. „Schlimm genug, dass man sich nicht gegen die Werbung wehren kann. Aber dass das Heft in Plastik gehüllt wird, geht gar nicht“, sagt Fabian Lehner aus Simbach am Inn nahe der Grenze zu Österreich.

Es wirkt wie ein Kampf David gegen Goliath. Vor gut zwei Monaten steckte die Werbung erstmals in Lehners Briefkasten. „Einfach wegschmeißen geht nicht, die Tüte muss in den gelben Sack und der Prospekt ins Altpapier“, findet er. Ob dahinter eine Methode steckt, damit der Kunde die Zeitschrift nach dem Enthüllen in der Hand nimmt und liest, weiß Lehner nicht. „Es ist aber aus Umweltschutzgründen nicht zu akzeptieren, dass so viel Plastik verschwendet wird.“

Die Post gewährt ein 15-Minuten-Gespräch am Stehtisch

Lehner startete umgehend eine Online-Petition. Rasch hatte er knapp 60 000 Unterstützer: „Die Beteiligung hat mich schon überrascht.“ Es scheint, als hätte der junge Mann, der sich bei der freiwilligen Feuerwehr und der SPD engagiert, den Nerv vieler getroffen. In seiner Petition ist zu lesen: „Laut Deutscher Umwelthilfe beläuft sich die Menge an diesen unnötigen Folienverpackungen, die das Fernsehprogramm und die Werbeprospekte umhüllen, pro Jahr auf rund 2886 Tonnen, was der jährlichen Menge an Kunststoffverpackungen von rund 83 000 Bürgern entspricht.“

So wird aus Altpapier neues Papier
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1 von 20Foto: Thilo Rückeis
29.03.2012 00:01Zerfetzt, zerknüllt und dennoch ein wertvoller Rohstoff: So wird das Altpapier aus den blauen Berliner Tonnen in der Papierfabrik...

Die Aufregung blieb auch der Post nicht verborgen, die Lehner einlud. Er fuhr nach Nürnberg und überreichte eine CD mit der Petition und den Unterschriften. „Wirklich ernst genommen hat man mich und mein Anliegen aber nicht“, berichtet er. An einem Stehtisch im Flur habe ihn jemand empfangen. „Als ich die Hintergründe erklären wollte, wurde ich abgewimmelt. Nach 15 Minuten war ich wieder aus dem Gebäude.“ Die zuständige Abteilung müsse den Fall prüfen, hieß es.

„Obwohl Herr Lehner erst 18 Jahre alt ist, nehmen wir sein Anliegen sehr ernst“, sagt Post-Sprecher Erwin Nier. Die Petition habe ein hochrangiger Produktmanager übernommen. Nach einer Prüfung werde es in den kommenden Wochen eine Antwort geben.

Beim Recycling werden Folie und Papier getrennt

„Einkauf aktuell“ ist ein Produkt der Post. 2003 wurde das Heft erstmals verteilt, seitdem wächst der Markt stetig. Im Innenteil steckt Werbung. „Der Wunsch unser Werbekunden ist es, die Sendung sauber und trocken zu verschicken“, erläutert Nier. Prüfungen hätten ergeben, dass die dünne Polyethylenfolie unter Berücksichtigung von Rohstoffeinsatz, Energieaufwand, Wasserverbrauch bei der Herstellung und Gewicht zurzeit die ökologisch schonendste Umhüllung sei. Der Empfänger könne durchaus das komplette Heftchen samt Folie wegwerfen, rät Nier. Die Altpapierindustrie habe versichert, dass beim Recycling Papier und Folie sauber getrennt würden. Wer das Heft nicht haben will, solle den Hinweis „Keine Werbung“ an seinen Briefkasten kleben. Sollte es dennoch im Briefkasten landen, sei dies ein Fehler des Zustellers.

Vor mehr als eineinhalb Jahren hatte ein Rechtsanwalt aus Lüneburg erfolgreich gegen die Post geklagt. Er hatte „Einkauf aktuell“ bekommen, obwohl er mehrfach schriftlich gegen die Zustellung des Heftchens protestiert hatte. Einen Aufkleber „Werbung – nein danke!“ wollte der Anwalt nicht an seinem Briefkasten anbringen. Die Richter am Landgericht Lüneburg gaben ihm recht und beriefen sich bei ihrer Entscheidung auch auf den Artikel 2 des Grundgesetzes, der das Selbstbestimmungsrecht jedes Bürgers garantiert. (dpa)

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