• Plattenbauten: Ein Fall für die Abrissbirne - GdW: Zunehmende Leerstände gefährden Wohnungswirtschaft

Wirtschaft : Plattenbauten: Ein Fall für die Abrissbirne - GdW: Zunehmende Leerstände gefährden Wohnungswirtschaft

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In den neuen Bundesländern stehen immer mehr Wohnungen leer. Für 350 000 Wohnungen seien derzeit keine Mieter zu finden, sagte Jürgen Steinert, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungsunternehmen (GdW), am Montag in Berlin. Wegen der hohen Kosten, die der Leerstand verursache, drohe vielen Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften im Osten die Insolvenz.

Der GdW plädiert deshalb dafür, die nicht vermietbaren Wohungen verstärkt abzureißen, um Angebot und Nachfrage auf dem Mietmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dafür aber müssten Bund, Länder, Kommunen und Banken Geld bereitstellen. Würden die Wohnungen nicht abgerissen, könnten in den Problemgebieten Slums entstehen, warnte GdW-Präsident Steiner. Nötig sei ein "Paradigmenwechsel in der Förderpolitik": Statt des Neubaus müsse zunächst der Abriss Vorrang bei der Unterstützung durch die öffentliche Hand haben, regte er an. Allein der Mietausfall durch den Leerstand schlage bei den GdW-Unternehmen mit 1,3 Milliarden Mark zu Buche, hinzu kämen der Kapitaldienst für die Altschulden der Wohnungsunternehmen aus DDR-Zeiten sowie Verwaltungs- und Instandhaltungskosten. Ende 1999 waren 13 Prozent der 2,8 Millionen GdW-Wohungen nicht vermietet. Bei einigen Gesellschaften stehe gar jede dritte Wohnung leer, klagte Steinert. Um die Kosten einer leeren Wohnung zu decken, würden Mieten von vier anderen Wohnungen benötigt. Bei den Leerständen handele es sich in Regionen wie Hoyerswerda, Stendal oder Wolfen vorwiegend um Plattenbauten, in Städten wie Chemnitz, Leipzig oder Halle seien mehrheitlich Altbauten in Innenstadtlagen nicht loszuschlagen. Diese solle man jedoch nicht abreißen, um die Wiederbelebung der Stadtzentren nicht zu gefährden.

Von den Plattenbauten seien zwar die meisten noch im alten Zustand, einige seinen aber bereits modernisiert. Diese müssten aber dennoch weichen, denn "es gibt auf Dauer mehr Wohnungen als Menschen", sagte Steinert. Ursache für die Leerstände ist dem GdW zufolge der "extreme ökonomische Strukturwandel" seit 1990. Wegen der Abwanderung in die alten Bundesländer und der geringen Geburtenrate müssten die neuen Länder einen Bevölkerungsverlust von 1,4 Millionen Menschen hinnehmen. Zugleich aber seien seit 1990 rund 800 000 Wohnungen neu gebaut worden, oft mit steuerlichen Anreizen und weiterer Förderung durch den Staat.

Neben den Leerständen macht den Wohnungsunternehmen GdW-Angaben zufolge die Pflicht zur treuhänderischen Verwaltung von Immobilien für Alteigentümer zu schaffen. Diese zögen immer häufiger Rückgabeanträge zurück, weil die Häuser in einem maroden Zustand seien, in dem man sie nicht vermieten könne. Von den anfangs 707 000 Wohnungen seien daher heute 150 000 bei den Wohnungsunternehmen verblieben, die "fast immer in einem desolaten Zustand und unbewohnbar" seien.

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