Wirtschaft : Plattenfirma Emi muss stärker sparen

London - Der kriselnde britische Musikkonzern Emi verschärft seinen Sparkurs und streicht wahrscheinlich auch Jobs. Die Verpflichtung neuer Künstler müsse nun direkt von einer Handvoll ranghoher Manager abgesegnet werden, auch Pläne für Marketing-Aktionen würden strenger unter die Lupe genommen, berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Der neue Eigentümer, das Beteiligungsunternehmen Terra Firma des Investors Guy Hands, will bis 2012 die Marketingausgaben um 28 Millionen Pfund (knapp 40 Millionen Euro) kappen. Im neuen Jahr sei auch ein Stellenabbau unter den weltweit 5500 Beschäftigten wahrscheinlich, hieß es.

Hands, der sich den britischen Traditionskonzern inklusive übernommener Schulden vier Milliarden Pfund kosten ließ, sieht sich angesichts rapide sinkender CD-Verkäufe zu einem rigorosen Sparkurs gezwungen, was ihn bei den hauseigenen Stars nicht populärer macht. Vor einigen Monaten drohte er „faulen Künstlern“ den Rauswurf an. Die britische Band Radiohead, deren Emi- Vertrag im Herbst ohne Verlängerung auslief, warf ihm daraufhin vor, keine Ahnung vom Musikgeschäft zu haben. 2007 hatten Musiker wie Ex-Beatle Paul McCartney das Label verlassen, auch Robbie Williams hatte angedeutet, nicht unbedingt bei Emi bleiben zu wollen.

Der Konzern, bei dem Stars wie Coldplay oder Norah Jones unter Vertrag stehen, hatte im vergangenen Geschäftsjahr einen Vorsteuerverlust von 263,6 Millionen Pfund ausgewiesen. Das schnell wachsende Online-Geschäft kann die Einbußen durch die Einbrüche beim CD-Absatz nicht ausgleichen. Die Band Radiohead hat inzwischen ihr neues Album im Internet zum Download angeboten und die Fans selbst über den Preis entscheiden lassen. Der kommerzielle Effekt des von Medien zunächst als revolutionär gefeierten Vorgehens blieb jedoch umstritten. Offizielle Angaben legte die Band nie vor. Inzwischen ist das Album „In Rainbows“ bei einer anderen Musikfirma auch als gewöhnliche CD erschienen, wenn auch in schlechterer Klangqualität.

Wie schlecht es um die Geschäfte der Musikbranche bestellt ist, machten zuletzt noch einmal die Zahlen aus dem US-Weihnachtsgeschäft deutlich: Der Alben-Verkauf brach im Jahresvergleich um gut ein Fünftel ein. Von Thanksgiving Ende November bis Heiligabend wurden im wichtigsten Musikmarkt der Welt nur noch 83,9 Millionen Alben abgesetzt, wie das US-Fachblatt „Variety“ berichtet. Bestverkauftes Album des Jahres wurde „Noel“, auf der Sänger Josh Groban Weihnachtsliedern vorträgt.dpa

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