Playmobil : „Zuerst spielen die Chefs“

Playmobil-Geschäftsführerin Andrea Schauer über gefährliches Spielzeug aus China, teure Ritterburgen und den Ausbau der Produktion in Deutschland.

Playmobil Foto: ddp
Profitables Spielzeug: Playmobil-Figuren. -Foto: ddp

Frau Schauer, Spielzeug aus China ist wiederholt wegen Sicherheitsmängeln aus dem Verkehr gezogen worden. Werden Spielwaren zu Weihnachten knapp?

Wir produzieren vor allem in Deutschland, daher sitzen wir nicht an der Quelle der Informationen. Aber nachdem, was man in der Branche so hört, ist die Weihnachtsware aus China bereits eingetroffen.

Sollte man die Finger von China-Ware lassen?

Ich warne davor, China als Produktionsstandort schlechtzureden. Man kann auch in China qualitativ hochwertige Produkte herstellen, wenn man für die Sicherheit Sorge trägt. Aber das müssen wir hier in Deutschland auch tun.

Wie lange brauchen Sie, um ein neues Spielzeug auf den Markt zu bringen?

Drei Jahre – von der ersten Idee bis zur Marktreife. Das ist enorm lange und für die Branche ungewöhnlich. Und das ist nur möglich, weil wir nicht auf Banken angewiesen sind, sondern unseren Unternehmer haben. Er gibt uns diese Zeit und die dafür nötigen Geldmittel. Während die meisten anderen Spielzeughersteller längst Designbüros beschäftigen, haben wir noch ein hausinternes Entwicklungsteam von über 60 Mann. Und wir beschäftigen ein Qualitätssicherungsteam, das in jeder Planungsphase prüft, ob sich die Ideen in der Produktion umsetzen lassen.

Können Playmobil-Kunden sicher sein, dass Ihr Spielzeug ungefährlich ist?

Wir haben gegenüber den Firmen, die in China produzieren, entscheidende Vorteile. Wir fertigen in Europa, allen voran in Dietenhofen, das gerade einmal 20 Kilometer von unserer Firmenzentrale entfernt ist. Auch unsere Lieferanten sind hier. Wir arbeiten nur mit hoch qualifizierten Firmen zusammen, machen ihnen enge Vorgaben und stehen mit ihnen in einem ständigen Dialog. Wenn dann der erste Artikel bei uns in Dietenhofen vom Band kommt, geht unser Qualitätssicherungsteam damit zur LGA. Das ist eine Tochter des Tüv-Rheinland, und die prüft das Produkt auf Herz und Nieren. Eine 100-prozentige Sicherheit wird es nie geben, aber wir tun wirklich alles, was man nur kann, um die Produkte so sicher wie irgend möglich zu machen.

Wie viel billiger wäre Ihr Spielzeug, wenn Sie in China produzieren und nur auf den Preis achten würden?

Vielleicht um die Hälfte. Aber das wäre dann nicht mehr Playmobil.

Wer probiert das neue Spielzeug aus?

Zunächst baut die gesamte Führungsmannschaft mit ihren Kindern das Spielzeug zu Hause auf – daheim auf dem Teppichboden, so wie es auch unsere Kunden tun. Und dann bitten wir auch noch Testfamilien, die keine Playmobil-Profis sind, das Spielzeug auszuprobieren.

Baut Ihr Sohn auch?

Der ist inzwischen 17 und damit dem Playmobil-Alter entwachsen. Mein Sohn baut nur noch gegen Bezahlung.

Ab welchem Alter interessieren sich Kinder nicht mehr für Playmobil?

Die Kinder werden heute immer früher erwachsen. Mit zehn ist das Playmobil- Alter meist vorbei. Aber es gibt auch ältere Kinder, die sich weiter für Playmobil interessieren. Entweder als Sammler oder weil sie sich nach der Schule ihre eigene kleine Welt bauen. Viele Menschen steigen aber auch später wieder ein – als Erwachsene. Es gibt eine große Fangemeinde von Sammlern.

Ihre Ritterburg kostet mehr als 100 Euro, der Flughafen 75 Euro. Wer kann sich das leisten?

Man darf nicht nur auf den Preis schauen. Die Investition zahlt sich aus. Playmobil fliegt nicht nach einer Woche in die Ecke. Die Kinder spielen jahrelang damit, außerdem kann man unsere Spielwelten hervorragend miteinander kombinieren. Trotzdem ist der Preis ein Problem, und zwar vor allem in den USA.

Warum?

In den USA geht nichts über 20 Dollar, zumindest nicht in den großen Ketten wie Wal-Mart, Target oder Toys’R’Us. Ein Kind kann zwar auch mal zwei oder drei Pakete bekommen, aber jedes kostet maximal 20 Dollar. Das ist für uns schwierig. Wir verkaufen daher in den USA eher über den Fachhandel.

Fragen die Kunden seit den Rückrufaktionen von Mattel und Toys’R’Us jetzt verstärkt nach Playmobil?

In Europa weniger, aber in den USA. Es gibt dort Konsumenten, die sehr besorgt sind und nur noch Spielwaren kaufen wollen, die in den USA oder in Europa hergestellt wurden.

Wie läuft das Geschäft in Deutschland?

In Deutschland liegen wir mit 9,3 Prozent auf Platz drei hinter Lego und Mattel. Vor zehn Jahren hatten wir hierzulande nur einen Marktanteil von 4,5 Prozent. Wir haben uns in konjunkturell schlechten wie in guten Zeiten weiterentwickelt. Für dieses Jahr rechnen wir für Deutschland mit einem Umsatzwachstum im einstelligen Bereich. Weltweit werden wir zweistellig zulegen. Das bedeutet aber auch, dass wir unsere Kapazitäten ausbauen müssen.

In Deutschland?

Ja. Wir haben bereits in den vergangenen Jahren unsere Produktion Zug um Zug ausgebaut, und wir werden das auch weiterhin tun. Wir haben in Dietenhofen eine komplett neue Spritzerei aufgebaut und in die Produktionsstätte in den vergangenen sechs Jahren 150 Millionen Euro investiert. Um die Investitionen schneller zu amortisieren und die steigende Nachfrage zu decken, werden wir jetzt auch samstags und sonntags produzieren. Zudem wollen wir in den nächsten zwei Jahren rund 100 neue Leute einstellen.

Im vergangenen Jahr hatten Sie mit Engpässen zu kämpfen. Einige Artikel waren kurz vor Weihnachten ausverkauft. Wie sieht es in diesem Jahr aus?

Ich glaube, in diesem Jahr kommen wir gut hin. Der Handel hat früh geordert, und wir haben bereits Mitte des Jahres die Schlacht gefochten und für bestimmte Märkte keine Aufträge mehr angenommen.

Wie schwierig ist es, in den Kaufhäusern Platz zu bekommen?

Im Handel geht es um knallharte Zahlen. Wir haben mit den Händlern vereinbart, dass wir für jede Neuheit ein Spielzeug aus dem Bestand herausnehmen. Das tut schon weh, weil sich auch die alten Produkte oft noch sehr gut verkaufen.

Um richtig groß zu werden, müssten Sie wahrscheinlich an die Börse gehen, oder?

Das wollen wir nicht. Wenn wir auf Fremdkapital angewiesen wären, müssten wir wahrscheinlich so arbeiten wie die meisten anderen auch. Wir sind anders, und das ist unsere Stärke. Zum Glück haben wir einen Unternehmer, der bereit ist, diesen Weg mitzugehen.

Der ist aber schon 75 Jahre alt …

Ja, aber er hat bereits Vorsorge getroffen. Er hat eine Stiftung gegründet und dafür gesorgt, dass das Unternehmen auch in Zukunft nicht verkauft wird oder an die Börse muss.

Das Gespräch führte Heike Jahberg.

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