Pleiten : Insolvenzen überfordern Amtsgerichte

Unternehmenspleiten drohen in Deutschland zu einem unkalkulierbaren Risiko für Gläubiger zu werden. Seit der Reform des Insolvenzrechts vor zehn Jahren hat sich die Dauer der Verfahren auf gut 48 Monate verdoppelt.

Düsseldorf - Das geht aus einer noch unveröffentlichten Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) hervor, die dem „Handelsblatt“ vorliegt. 30 Prozent aller eröffneten Insolvenzverfahren in Deutschland sind demnach sogar nach zehn Jahren noch nicht abgeschlossen.

Experten wie Frank Kebekus, Sprecher des renommierten Gravenbrucher Kreises aus Insolvenzexperten, halten diese Entwicklung für bedenklich. Es sei ein großer Unterschied ob Gläubiger ihr Geld nach einem Jahr oder erst nach fünf Jahren sehen, sagt Kebekus. Zugleich warnen Experten vor dem gesamtwirtschaftlichen Schaden durch Insolvenzen.

Die Bearbeitungszeit hängt unter anderem davon ab, wie lange Gerichte brauchen, um die Schlussberichte des Insolvenzverwalters zu prüfen. Einige Richter beauftragen damit externe Experten und schließen den Insolvenzfall nach wenigen Monaten ab. Bei anderen stapeln sich die Aktenberge – die Verfahren ziehen sich Monat um Monat hin, obwohl eigentlich alles geklärt ist. Am längsten müssen Gläubiger in Brandenburg warten: Dort dauern Insolvenzverfahren durchschnittlich 61 Monate – im Saarland sind es nur 44 Monate. Enorme Unterschiede gibt es aber auch zwischen den Amtsgerichtsstandorten. Die Spanne reicht von 29 bis 69 Monaten Abwicklungszeitraum. „Die Gerichte müssten besser ausgestattet werden“, fordert Kebekus.

Im Jahr 2009 registrierten die Amtsgerichte 32 700 Firmeninsolvenzen und damit 11,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden berichtete. Zusammen mit den Verbraucherinsolvenzen kamen rund 85 Milliarden Euro Forderungen der Gläubiger zusammen. Im Vorjahr waren es mit 33,5 Milliarden Euro deutlich weniger gewesen. Ein Grund für die Steigerung waren einige Großpleiten wie die des Handelskonzerns Arcandor. HB

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