Wirtschaft : Pleitewelle schwappt in Deutschland immer höher

brö/asi

Immer mehr Firmen und Verbraucher in Deutschland melden Insolvenz an. 32 278 Unternehmen mussten im vergangenen Jahr aufgeben, weil sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. Das waren 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Eine starke Zunahme gab es auch bei den Verbraucherinsolvenzen - sie stiegen um 27 Prozent auf 13 277 Fälle. Dafür sei allerdings auch das geänderte Insolvenzrecht verantwortlich, das seit 1999 eine einfachere Entschuldung für Personen und Kleingewerbe vorsieht, erklärte die Statistik-Behörde.

Die Pleitewelle bei Unternehmen ist damit seit der Wiedervereinigung in jedem Jahr angestiegen, nur 1999 war sie zwischenzeitlich etwas abgeebbt. Sie hat 2001 zum Verlust zahlreicher Arbeitsplätze geführt: Mindestens 200 000 Arbeitnehmer seien von einer Insolvenz betroffen gewesen, erklärten die Statistiker. Die tatsächliche Zahl dürfte noch höher liegen, denn mehr als jedes fünfte Unternehmen habe keine Auskunft über die bedrohten Arbeitsplätze gegeben. Zudem blieben viele Gläubiger auf offenen Rechnungen sitzen: Auf 31 Milliarden Euro summieren sich die offenen Forderungen. Ausgelöst hat die steigende Zahl der Pleiten vor allem die Krise in der Bauwirtschaft, mehr als ein Viertel der Pleiten kamen aus dieser Branche.

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) hat die privaten Banken am Mittwoch dazu aufgefordert, mehr Kredite an deutsche Mittelständler zu vergeben. Er beobachte "sehr genau", dass private Banken die Finanzierung vor allem von kleinen Unternehmen mit dem Hinweis auf knappe Margen zurückhielten. Wenn sich dieser Trend nicht verändere, werde die Bundesregierung "zu innovativen Mitteln" greifen. Müller hielt es für denkbar, dass die öffentlichen Förderkredite in Zukunft nicht mehr über Banken sondern direkt vergeben werden. Die Subventionierung von Bearbeitungsgebühren für Kleinkredite sei möglich. Mehr zum Thema im Internet: www.destatis.de

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