Wirtschaft : Plus-Supermärkte in den roten Zahlen

Tengelmann entscheidet bis Jahresende über Verkauf

Mühlheim/Ruhr - Das Mülheimer Handelsunternehmen Tengelmann will bis spätestens Weihnachten entscheiden, ob es die Mehrheit am Discounter Plus an einen Wettbewerber verkauft. Das sagte Konzernchef Karl-Erivan Haub am Mittwoch bei der Vorlage der Geschäftszahlen. Plus ist zwar die Nummer drei auf dem deutschen Markt, liegt aber weit abgeschlagen hinter den Marktführern Aldi und Lidl und schrieb im vergangenen Geschäftsjahr sogar rote Zahlen.

Tengelmann stehe bereits seit mehreren Monaten mit den Wettbewerbern Rewe und Edeka in Verhandlungen, heißt es in Branchenkreisen. Beide Kandidaten spielen auf dem Discountmarkt bislang nur eine untergeordnete Rolle. Durch einen Zusammenschluss von Plus mit Penny (Rewe) oder Netto (Edeka) entstünde ein neuer Branchenriese, der sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Branchenzweiten Lidl liefern könnte.

Auch beim Bundeskartellamt hat Tengelmann bereits prüfen lassen, unter welchen Bedingungen ein Zusammenschluss von Plus mit Penny oder Netto genehmigt würde. „Wir können uns vorstellen, in einer gemeinsamen Gesellschaft in die Minderheit zu gehen“, sagte Haub. Er habe aber keine Absicht, das Discountgeschäft vollständig aufzugeben. Auch umfangreiche Filialschließungen werde es mit ihm nicht geben.

Die Namen der öffentlich diskutierten Verhandlungspartner wollte Haub nicht offiziell bestätigten. Dass es sich dabei um die beiden Wettbewerber aus Köln und Hamburg handelt, liegt aber auf der Hand. Denn auch für seine Kaiser’s- und Tengelmann-Supermärkte sucht Haub nach eigenen Angaben einen neuen Einkaufspartner. Er soll ihm zu besseren Konditionen verhelfen als bisher Markant in Offenbach. „Diese Kooperation werden wir im Zusammenhang mit der Zukunft von Plus entscheiden“, sagte der Tengelmann-Chef. In Deutschland kämen bei einem Wechsel wegen der Größe des gebündelten Einkaufsvolumens nur die beiden Genossenschaften Rewe und Edeka infrage.

Branchenexperten wie der Bad Homburger Unternehmensberater Volker Dölle sind sich sicher, dass sowohl Rewe als auch Edeka an einer Zusammenarbeit mit Tengelmann sehr interessiert ist. Denn der gemeinsame Einkauf mit den Mülheimern würde die Einkaufskonditionen bei den Lieferanten deutlich verbessern. Zudem liefern sich die beiden Supermarktketten derzeit ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen.

Spekulationen in der Branche, nach denen Obi-Mehrheitsgesellschafter Tengelmann und Toom-Eigentümer Rewe auch über ein Zusammengehen in der Baumarktbranche reden, erteilte Haub eine Absage: „Für Obi gibt es aus unserer Sicht derzeit keine interessanten Übernahmeziele.“ Auch an einen Verkauf von Obi denke man nicht.

Bei Plus sieht Haub dagegen Handlungsbedarf. Der Discounter rutschte nach Angaben des Firmenchefs im zurückliegenden Geschäftsjahr (bis 30. April) in die roten Zahlen. Schuld daran sei ein Einbruch von 20 Prozent beim Nonfood-Geschäft gewesen. Obwohl Plus hierzulande das Filialnetz um 2,5 Prozent auf knapp 3000 Läden vergrößerte, wuchs der Umsatz nur um 1,7 Prozent. Im Vorjahr waren die Erlöse noch um 8,9 Prozent gestiegen. Nach dem enttäuschenden Kassensturz Ende April 2007 musste sich Plus-Europachef Michael Hürter in Mülheim verabschieden. Seitdem ist der schlingernde Discounter Chefsache.

Mit einem Umsatz von 9,6 Milliarden Euro stemmt Plus exakt die Hälfte des europaweiten Konzernumsatzes. Ertragszahlen nennt der Gesamtkonzern Tengelmann traditionell nicht. Man habe aber einen Gewinn erzielt, sagte Haub. Zudem seien die Kassenbestände um rund 200 Millionen Euro gewachsen.cs (HB)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben