Podiumsdiskussion : Berliner Industrie fehlen Flächen

Why Berlin: Bei einer Podiumsdiskussion sieht die Industrie die Hauptstadt auf einen guten Weg. Doch es fehlt an Flächen.

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Berlin - Kann sich Berlin wieder zu einem wirklichen Industriestandort entwickeln? Diese Frage war am Montagabend Diskussionsgegenstand beim Podium „Why Berlin“ des Hauptstadtvermarkters Berlin Partner und der Immobilienfondsgesellschaft Union Investment Real Estate. Die Veranstaltung mit Berliner Unternehmern und Vertretern der Politik ist Teil der Industriekampagne „Ich bin ein Berliner“, die der Berliner Senat, Berlin Partner und 13 Unternehmen im September ins Leben gerufen haben.

Aus Sicht des Wuppertaler Universitätsprofessors und Volkswirts Guido Spars ist die Berliner Industrie – damit ist das produzierende Gewerbe gemeint – auf einem guten Weg. So habe sich die Berliner Exportquote von Gütern in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. „Wir sind wettbewerbsfähig geworden“, sagte Spars. Der Wissenschaftler lehrte viele Jahre an der Technischen Universität Berlin und berät Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Um Berlin als Industriestandort zu etablieren, bedürfe es einer engeren, auch räumlichen Vernetzung von Forschungseinrichtungen und Unternehmen. „Da liegt der Schlüssel zum Erfolg“, sagte Spars. So gebe es in der Stadt zwar insgesamt rund 750 Hektar freie Flächen, von denen rund die Hälfte sofort von Industriebetrieben genutzt werden könnte. Sie befinden sich allerdings größtenteils nicht in den innerstädtischen Bezirken. Dort fehlen laut Spars rund 19 Hektar Land für die industrielle Nutzung.

Nicola Brüning, Leiterin der Konzernrepräsentanz von BMW in Berlin, kann das bestätigen: Ihr Unternehmen sucht derzeit dringend nach zusätzlicher Fläche für den Ausbau des Motorradwerks in Spandau. Dabei habe ihre Firma durchaus darüber nachgedacht, aus Berlin wegzugehen – die Konkurrenz aus Asien sei groß, produziere günstiger und habe zudem eine jüngere Belegschaft. „Wir haben jetzt schon Schwierigkeiten, Fachkräfte und Nachwuchs zu finden“, sagte Brüning. „Vor einigen Jahren hatten wir noch 30 Bewerber für einen Ausbildungsplatz, jetzt sind es nur noch sieben.“

Für Michael Klein, Mitglied der Geschäftsführung des Pharmakonzerns Pfizer Deutschland, war es eine strategische Entscheidung, den Firmensitz in die Hauptstadt zu verlagern: „Hier leben Menschen, die bereit sind, sich zu verändern“, sagt er. „Das ist ein wichtiger Standortvorteil.“ Sarah Kramer

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