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Poker um Air Berlin : Die Deadline für die Bieter steht

Am 15. September ist Schluss. Die Zeit drängt: Konkurrentin Germania klagt gegen die Staatsbürgschaft, Air Berlin streicht Strecken.

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Eine Frage der Zeit: Über Air Berlins Zukunft wird im September entschieden. Foto: imago/Ralph Peters
Eine Frage der Zeit: Über Air Berlins Zukunft wird im September entschieden.Foto: imago/Ralph Peters

Ein Ende des Pokers um Air Berlin ist in Sicht. Bis zum 15. September können Interessenten Angebote für die insolvente Airline abgeben, teilte ein Unternehmenssprecher mit. „Air Berlin wird den Investorenprozess zügig abschließen“, kündigte der Sprecher am Dienstag in Berlin an. Nach Einschätzung von Insidern ist die Entscheidung, welche Unternehmen welche Teile der zweitgrößten deutschen Airline bekommen, dann nur noch eine Frage von Tagen. Air Berlin-Chef Thomas Winkelmann hatte vergangene Woche erklärt, eine Lösung bis Ende September anzustreben.

Air Berlin streicht Strecken

Die Zeit drängt offenbar, da Air Berlin nicht nur jeden Tag Geld verliert, sondern ab Mitte September einige Überseeflüge etwa von Berlin nach Abu Dhabi und Chicago streicht. Zudem fallen die Strecken von Berlin nach Los Angeles und San Francisco sowie von Düsseldorf nach Boston früher weg als bislang geplant. Die Passagiere der betroffenen Flüge sollen umgebucht werden, teilte die Airline mit. Weiter angeboten würden die Verbindungen von Berlin nach New York und Miami. Nach Aussagen von Air-Berlin-Chefsanierer Frank Kebekus gehen die Buchungen seit der Pleite zurück, insbesondere auf der Langstrecke.

Niki Lauda blickt in die Bücher

Über mangelndes Interesse an Air Berlin können sich Winkelmann, Kebekus und der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther, die an den Verhandlungen beteiligt sind, nicht beklagen. Für Dienstag hatte Ex-Formel-Eins-Star Niki Lauda einen Sondierungstermin ausgemacht. Lauda ist interessiert daran, die einst vom ihm gegründete Fluggesellschaft „FlyNiki“ zurückzukaufen, um zu verhindern, dass Lufthansa die Air Berlin-Tochter übernimmt und damit ihren Marktanteil in Deutschland und Österreich noch weiter ausbaut. Vor einem verbindlichen Gebot will Lauda aber erst einmal einen Blick in die Bücher von Niki werfen.

Was die Lufthansa will

Den Ferienflieger, der im Konzern die Europa-Strecken bedient, hat aber auch die Lufthansa auf der Rechnung. Sie will 90 der 144 Maschinen der Air Berlin samt Crews übernehmen. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen ist die größte deutsche Airline auch bereit, Langstreckenflüge von Air Berlin weiter zu betreiben. Zwölf der 17 Langstreckenmaschinen sollen an die Lufthansa-Tochter Eurowings gehen, davon sollen zwei in Berlin und bis zu zehn in Düsseldorf stationiert werden. Von Berlin aus soll es eine Verbindung an die Ostküste geben. „Die Ziele New York und Washington stehen ganz oben auf der Liste der potenziellen Ziele“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Insider. Air Berlin hat sich schwer damit getan, ein profitables Langstreckengeschäft aufzubauen. Dafür war die Flotte mit 17 Jets zu klein. Zudem waren auf den Verbindungen von und nach Berlin Geschäftsreisende rar, die viel für ein Ticket ausgeben.

Wöhrl führt Sondierungsgespräche

Neben der Lufthansa wollen auch andere Airlines einen Teil von Air Berlin. Easyjet will angeblich für bis zu 40 Flugzeuge bieten, Condor für eine zweistellige Zahl von Maschinen. Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der an diesem Mittwoch Gespräche mit den Verantwortlichen führen wird, will Air Berlin sogar als Ganzes kaufen und weiterführen. Dagegen hat sich Ryanair von diesem Plan verabschiedet. Der irische Billigflieger interessiert sich jetzt nur noch „für einige Vermögenswerte von Air Berlin, hauptsächlich die Routen, die wir betreiben können“, sagte Marketingchef Kenny Jacobs am Dienstag in Dublin. Nach Tagesspiegel-Informationen hat Ryanair-Chef Michael O’Leary, der an diesem Mittwoch in Berlin sein wird, bislang aber keinen Termin mit Air Berlin gemacht.

Air Berlin: weniger Stornierungen

Air Berlin widersprach am Dienstag Berechnungen des Flugrechteportals Flightright, das eine massive Zunahme der Flugstornierungen nach der Insolvenzanmeldung festgestellt hatte. Flightright hatte berichtet, die Zahl der Stornierungen sei in der Woche nach dem 15. August – das ist der Tag, an dem Air Berlin Insolvenz angemeldet hatte – von 30 in der Vorwoche auf 160 gestiegen. Das streitet Air Berlin ab. Tatsächlich seien in der Woche vom 15. bis zum 21. August nur 100 Flüge annulliert worden, teilte das Unternehmen mit. Allerdings ist auch das noch mehr als eine Verdreifachung. In der Woche vom 22. bis zum 28. August seien die Flugausfälle dann auf 35 Stornierungen zurückgegangen. Kunden, deren Flüge ausfallen, müssen jedoch nicht befürchten, dass sie ihr Geld verlieren. Obwohl der 150 Millionen-Euro-Kredit des Bundes an Air Berlin noch auf sich warten lässt, sichert das Unternehmen Ticketverkäufe, die ab dem 16. August gemacht werden, ab. Sollte ein Flug ausfallen, wird der Ticketpreis erstattet, verspricht Air Berlin seinen Kunden. Damit will das Unternehmen verhindern, dass die Ticketverkäufe einbrechen.

Germania klagt vor Gericht

Air Berlin-Konkurrentin Germania will verhindern, dass der Kredit ausgezahlt wird. Die Airline zieht wegen der Bürgschaft der Bundesregierung zugunsten von Air Berlin vor Gericht. Germania habe beim Landgericht Berlin ein Eilverfahren eingeleitet, teilte die Justizpressestelle am Dienstag mit. Dadurch solle dem Bund untersagt werden, den Kredit in Höhe von 150 Millionen Euro zu gewähren, bevor die EU-Kommission diese Form der Beihilfe genehmigt habe. Verhandelt wird erst am 15. September. Dennoch zeigte sich das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag gelassen. Der Antrag werde die Auszahlung des Geldes nicht verzögern, teilte das Ministerium mit. Die Einreichung des Antrags habe keine aufschiebende Wirkung. Die Bundesregierung gehe auch davon aus, dass die EU-Kommission das Darlehen genehmigen wird. Die notwendigen technischen Schritte für die Auszahlung des Geldes würden wir geplant fortgesetzt.
(mit dpa, Reuters)

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