Poker um Nyse : Bahn frei für die Deutsche Börse

Die Nasdaq ist aus dem Bieterwettkampf um die New York Stock Exchange ausgestiegen.

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Berlin/New York - Die größte Börse der Welt rückt immer näher. Denn dem Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der New York Stock Exchange (NYSE) steht jetzt kaum noch etwas im Weg: Die größte Rivalin der Frankfurter, die US-Technologiebörse Nasdaq, hat ihr Übernahmeangebot für die NYSE Euronext zurückgezogen. Zu dem umworbenen Konzern gehören neben der legendären Börse an der Wall Street auch die Börsen in New York, Amsterdam, Brüssel, Lissabon und Paris. Nach der Fusion würde die neue Super-Börse jährlich mehr als vier Milliarden Euro Umsatz erzielen.

Schon Mitte Februar hatten die Deutsche Börse und die NYSE Euronext verkündet , sich zusammenschließen zu wollen. Kurze Zeit später war die US-Rivalin aufgetaucht. Am Montag stieg die Nasdaq wieder aus dem Bieterwettkampf aus. Der Grund: Die amerikanischen Regulierungsbehörden hatten Bedenken angemeldet.

Aber auch gegen die Fusion von Deutscher Börse und NYSE gibt es noch Widerstände. Nach den bisher bekannt gewordenen Plänen der Unternehmen werden die beiden Börsenbetreiber unter dem Dach einer neu gegründeten niederländischen Gesellschaft zusammengeführt. Wie sie heißen wird, ist noch offen. Klar ist bereits: Die Deutschen sollen 60 Prozent an der neuen Riesenbörse halten, die Amerikaner nur mit 40 Prozent beteiligt sein. Der Betriebsrat der Deutschen Börse befürchtet trotzdem ein Übergewicht der US–Partner. Der Sitz der neuen Börse soll offiziell zwar in Frankfurt und New York sein, neuer Chef aber wird der Amerikaner Duncan Niederauer. Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni soll den Vorsitz im Verwaltungsrat übernehmen. Er verspricht sich aus dem Zusammenschluss Einsparungen von rund 400 Millionen Euro jährlich. Der Betriebsrat fürchtet, dass diese Zahl auch durch den Abbau weiterer Arbeitsplätze in Frankfurt zustande kommen soll.

Bis zum 13. Juli müssen die Investoren der Deutschen Börse entscheiden, ob sie ihre Papiere in Aktien des neuen Unternehmens tauschen wollen. Auf die Nachricht vom Ausstieg der Nasdaq reagierten die Aktien aber schon einmal positiv: Die Papiere der Deutschen Börse verteuerten sich um bis zu fünf Prozent. Die NYSE-Papiere hingegen brachen um zehn Prozent ein. Anleger hatten offenbar auf einen kostspieligen Bieter-Wettstreit gehofft. Ein solcher findet unterdessen in Kanada statt: Wie am Montag bekannt wurde, will eine Gruppe von Finanzfirmen die Börse in Toronto erwerben und gefährdet damit den geplanten Zusammenschluss mit der London Stock Exchange (LSE). Miriam Schröder

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