Wirtschaft : Polaroid: Der Fotokonzern stellt Konkursantrag

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Einst war der Sofortbildhersteller Polaroid Corp aus Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts ein Renner an der Wall Street. Nun stellte das 64 Jahre alte Unternehmen einen Konkursantrag - die Einnahmen seien stark zurück gegangen, hieß es bei Polaroid. Das gibt finanziell angeschlagenen Gesellschaften die Möglichkeit, einen Plan für die Schuldenrückzahlung auszuarbeiten. Es ist aber nach Meinung von Investmentbankern unwahrscheinlich, dass Polaroid als eigenständiges Unternehmen aus dem Verfahren hervorgeht. Näher liege der Verkauf in der Gesamtheit oder in Teilbereichen.

Überrascht hat die Nachricht an der Wall Street niemand. Seit Monaten fällt der Aktienkurs immer tiefer: Notierten Polaroid-Papiere Anfang 1998 noch auf fast 50 Dollar, waren die Titel am Mittwoch vor der Aussetzung des Handels zum Schleuderpreis von 28 Cents zu haben. Zur gleichen Zeit wuchs der Schuldenberg. In dem Konkursantrag weist Polaroid Vermögenswerte in Höhe von 1,81 Milliarden Dollar aus bei 948,4 Millionen Dollar Schulden. Polaroid geriet zunehmend durch die Konkurrenz der Digitalkameras in Bedrängnis. Als Edwin H. Land und George Wheelwright das Unternehmen 1937 gründeten, schien die Zukunft gesichert. Das von dem Wissenschaftler Land entwickelte Verfahren bildete neben der Sofortbildentwicklung auch die Grundlage für die Herstellung blendfreier Sonnenbrillen und Spezialschutzbrillen für die US-Luftwaffe im zweiten Weltkrieg. Der Handelsvertreter Wheelwright baute mit den von Land entwickelten Produkten ein Unternehmen auf, das Weltruhm erlangte.

Polaroids Probleme sind nicht neu. Seit 1988 ist das Unternehmen hoch verschuldet, als das damalige Management versuchte, eine Übernahme abzuwehren. Analysten sprechen auch von strategischen Fehlern. So habe Polaroid es versäumt, sich an die neue Digitaltechnik anzupassen und in neue Geschäftsbereiche vorzustoßen.

Polaroid hatte auch stark auf die Entwicklungsländer gesetzt, denen für die Filmentwicklung die Infrastruktur fehlte. Das mag anfangs die richtige Strategie gewesen sein. Als jedoch Kodak, Fuji und andere Hersteller in diesen Ländern mit der Filmentwicklung begannen, verlor Polaroid den Marktvorsprung. Mit den neuen, preiswerten Produkten wie der Billigkamera I-Zone und Joycam werden zwar hohe Stückzahlverkäufe erzielt, die jedoch mit Gewinn schmälernden Rabatten erkauft werden. Während sich der Polaroid- Umsatz 1998 gegenüber 1972 auf 2,1 Milliarden Dollar verdreifacht hat, ist die Zahl der Mitarbeiter um mehr als das Fünffache gestiegen.

Die Teilbereiche des Unternehmens sind nach Berechnung von Analysten inzwischen mehr wert als die Gesamtheit. Millionen von Polaroid-Kameras sind auf dem Markt. Das bedeutet eine anhaltend starke Nachfrage nach Instant-Filmen. Als mögliche Käufer des Filmbereichs gelten die Japaner Olympus Optical und Canon. Telekom- und Druckerfirmen könnten sich für einige Polaroid-Techniken interessieren.

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