Wirtschaft : Policen im Schlussverkauf

2012 sinkt der Garantiezins für Lebensversicherungen – kein Grund zur Eile.

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Solides Fundament. Lebensversicherungen werfen wenig ab, sind aber sicher. Foto: p-a/dpa
Solides Fundament. Lebensversicherungen werfen wenig ab, sind aber sicher. Foto: p-a/dpaFoto: picture alliance / dpa-tmn

An niedrige Renditen haben sich Sparer und Anleger längst gewöhnt. Jetzt bekommen es auch Versicherungskunden schwarz auf weiß: Die garantierten Zinsen für Kapitallebensversicherungen sinken am 1. Januar 2012 von 2,25 auf nur noch 1,75 Prozent. Die Zinssenkungen haben Auswirkungen auf alle kapitalbildenden Lebensversicherungen. Das sind neben der Kapitallebensversicherung auch die private Rentenversicherung, Riester- und Rürup-Rente. Die meisten Formen der betrieblichen Altersvorsorge beruhen ebenfalls auf Lebensversicherungen. Betroffen von der Zinssenkung ist nur, wer nach der Jahreswende eine neue Lebensversicherung abschließt, alte Verträge laufen hingegen mit dem höheren Zinssatz weiter, der in den 90er Jahren noch bei vier Prozent lag. Das lockt den Vertrieb vieler Versicherungsunternehmen aus der Reserve. Sie bieten in den letzten Wochen des Jahres noch Policen mit dem höheren Garantiezins an. Doch lohnt sich der Abschluss?

KEINE PANIK

Zunächst gilt: Vom Gedrängel der Banken und Versicherungen sollte man sich nicht in eine Lebensversicherung treiben lassen. Denn die Anlageform bindet langfristig und sie ist während der Laufzeit eher unflexibel. Kündigt man später vorzeitig, weil man Geld braucht, ziehen die Unternehmen gerade in der Anfangszeit hohe Kosten vom Verkaufserlös ab (Stornogebühren, Wegfall von Schlussboni u.a.).

Außerdem ist der sinkende Garantiezins kein überzeugendes Argument, denn in der Gesamtrendite einer Kapitallebensversicherung fällt er kaum ins Gewicht. Garantiert verzinst mit (künftig) 1,75 Prozent wird nämlich nur der echte Sparanteil – nach Abzug aller Kosten. Vom Beitrag, den der Versicherungsnehmer einzahlt, bleibt nur ein Rest im Spartopf. Die übrigen Teile zweigt der Versicherer ab für den Risikoanteil zur Deckung des Todesfallrisikos und den Kostenanteil für Verwaltung und Provisionen.

Die Höhe des Garantiezinses sollten die Verbraucher nicht zur Entscheidungsgrundlage machen, rät der Bund der Versicherten (BdV). Schon heute lohnten sich die Policen nur noch selten, weshalb der BdV von einer reinen Kapitallebensversicherung inzwischen tendenziell abrät – unabhängig vom Zinsniveau. Besser geeignet seien eine Riester-, Rürup- oder betriebliche Altersvorsorge. Auch diese basieren allerdings oft auf dem Prinzip der Kapitallebensversicherung und sind von den sinkenden Zinsen betroffen. Außerdem erzielen sie langfristig häufig eine sehr magere Rendite, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Friedrich-Ebert-Stiftung unlängst ergab (siehe Geld-Seite vom 24.11.). Vorsorge-Sparer profitieren jedoch hier in jedem Fall von der staatlichen Förderung.

DIE ÜBERSCHÜSSE ZÄHLEN

Wer trotzdem über den Abschluss einer Lebensversicherung nachdenkt, sollte nicht das erstbeste Angebot nehmen. Denn die Gesellschaften wirtschaften höchst unterschiedlich mit dem Geld ihrer Kunden. Neben dem gesetzlich vorgeschriebenen Garantiezins entscheiden vor allem die am Kapitalmarkt erzielten Überschüsse darüber, was am Ende beim Verbraucher ankommt. 90 Prozent der Überschüsse müssen an die Kunden ausgeschüttet werden. Aber: „Hinterfragen Sie Prognosen kritisch“, empfiehlt der BdV. Auch die Ertragslage in der Vergangenheit sei wichtig für die Beurteilung eines guten Versicherers. „Eine Garantie für die künftige Wertentwicklung bietet sie aber keinesfalls.“ Wer sich unsicher ist, sollte den professionellen Rat von Experten, etwa der Verbraucherzentrale, suchen. Hinweise geben auch verschiedene Rankings, bei denen die Qualität der Anbieter verglichen wird. „90 Prozent der Spitzenreiter tauchen in allen Rankings auf den besten Plätzen auf“, sagt Manfred Poweleit, Chef des Branchendienstes Map- Report. In seiner eigenen Auswertung waren dies zuletzt Debeka, Huk-Coburg und Europa (siehe Tabelle). Eine Analyse der „Wirtschaftswoche“ ergab ebenfalls, dass Huk-Coburg und Debeka am meisten für ihre Kunden rausholen. Auf Platz eins hier: LVM. Dabei zeigte sich, dass die Kostenunterschiede zwischen den Besten und Schlechtesten deutlich größer sind als die versprochenen Zinsen auf die Kapitalanlagen (im Schnitt 3,8 Prozent).

Manfred Poweleit, ein Befürworter der Kapitallebensversicherung, argumentiert, dass mögliche alternative Anlageformen für die Altersvorsorge wie Aktien, Immobilien oder Anleihen unsicherer sind und oft auch keine höheren Renditen abwerfen. Laut Versichererverband GDV liegt die durchschnittliche Garantieverzinsung im Bestand der gut 90 Millionen Lebensversicherungen aktuell bei immerhin 3,4 Prozent. Hinzu kommen die Überschüsse. „Die Lebensversicherung ist für Menschen sinnvoll, die auch in 20 oder 30 Jahren eine sichere Rente haben wollen“, sagt der Map-Chef. Wer Reserven habe, solle noch 2011 zugreifen.

AUF DIE STEUERN ACHTEN

Die Erträge (Auszahlungsbetrag minus Beiträge) einer Lebensversicherung sind nur zur Hälfte steuerpflichtig, wenn die Police mindestens zwölf Jahre gelaufen und der Versicherte die Leistungen erst nach dem 60. Lebensjahr erhält. Neukunden ab 2012 müssen mindestens 62 werden. Es gilt dann nicht die Abgeltungsteuer (25 Prozent), sondern der oft höhere persönliche Steuersatz. Wer einen alten Vertrag (vor 2005) hat und sich die Versicherungssumme komplett auszahlen lässt, muss gar keine Steuern zahlen. Niedriger besteuert (z.B. ab 65 mit 18 Prozent) werden Erträge aus Lebensversicherungen mit Rentenzahlung. Daran ändert sich auch nach dem Jahreswechsel nichts.

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