Wirtschaft : Politik blockiert EADS-Fusion

Paris/London/Berlin - Die geplante Fusion der Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems droht an neuen Forderungen der Politik zu scheitern. Berlin wolle nicht nur einen Anteil von neun Prozent an dem fusionierten Unternehmen, sondern auch den Konzernsitz in München und eine schriftliche Zusage der französischen Regierung, den eigenen Anteil nicht über neun Prozent hinaus zu steigern. Das verlautete aus dem Umfeld der beteiligten Parteien.

Bereits am Freitag haben sich Regierungsvertreter aus London, Paris und Berlin in einer Videokonferenz zusammengeschlossen, ohne eine Einigung zu erzielen. Dabei kam es zum Eklat: Da London und Paris einer Konzernzentrale in München nicht zustimmen wollten, habe der Leiter der Wirtschaftsabteilung im Kanzleramt, Lars-Hendrik Röller, seine Teilnahme an der Konferenz vorzeitig beendet, hieß es aus Kreisen der Beteiligten.

Die britische Regierung hat bereits offen mit einer Blockade gedroht. Für London gebe es in den Verhandlungen „rote Linien“, bei deren Überschreiten Großbritannien sein „Veto“ einlegen werde, sagte Verteidigungsminister Philip Hammond am Sonntag dem Radiosender BBC 4. Die Anteile Deutschlands und Frankreichs am neuen Konzern müssten „unter dem Niveau liegen, das eine Kontrolle oder Eingriffe in die Geschäfte erlaubt“.

Damit wird ein Scheitern des Vorhabens immer wahrscheinlicher, zumal die Zeit für eine Einigung knapp wird. Am Mittwochnachmittag läuft eine Frist der britischen Übernahmebehörde aus. Bis dahin müssen EADS und BAE Systems die Details des Fusionsvorhabens vorlegen, ihre Pläne aufgeben oder eine Fristverlängerung beantragen. HB/AFP

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