Wirtschaft : Politik macht Druck auf Siemens und Bombardier Rauer Ton beim Gipfel mit der Bahnindustrie

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Mit Hochdruck
Mit HochdruckFoto: dapd

Berlin - Angesichts monatelanger Lieferverzögerungen bei neuen Zügen wird der Ton zwischen der Deutschen Bahn, der Politik und der Bahnindustrie rauer. „Ich sehe es nicht mehr ein, dass sich unsere Mitarbeiter von den Kunden beschimpfen lassen müssen“, sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube am Donnerstagabend in Berlin. Er sei verärgert über die Probleme beim Nahverkehrszug Talent 2 von Bombardier. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kündigte an, das Thema zur Chefsache zu machen. Alle vier Wochen wolle er sich nun Bericht erstatten lassen.

Ramsauer und Grube hatten mit den Spitzen der Bahnindustrie ins Verkehrsministerium einbestellt. Hintergrund: Siemens und Bombardier können bestellte Züge für den Regional- und Fernverkehr nicht ausliefern. Angesichts der fehlenden Fahrzeugreserve bei der Bahn gibt es Befürchtungen, im kommenden Winter könne es ähnliche Ausfälle geben wie im vergangenen. „Ich kann mich nicht hinstellen und sagen, im Winter läuft alles wie geschmiert“, befand Grube. Bombardier hat bereits mehr als 100 Exemplare des Zugs Talent 2 produziert. Sie stehen aber auf dem Abstellgleis, weil das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) sie bislang nur eingeschränkt zulassen will. Ramsauer zufolge arbeiten der Hersteller und die Behörde daran, 60 der Züge bis Ende September flott zu bekommen. Das EBA habe diesen Fahrplan aber als „sehr sportlich“ eingestuft. Eigentlich hatte Bombardier alle 176 bestellten Exemplare Ende dieses Jahres liefern sollen.

Im Fernverkehr gibt es Verzögerungen bei 16 ICE-3-Zügen von Siemens. Ursprünglich sollten sieben in diesem Herbst zur Verfügung stehen. Es werden nur drei – im kommenden Frühjahr. Für August 2012 seien 13 der 16 bestellten Züge zugesagt, so Grube. Für die Bahn ist das problematisch, weil auch hier Reservezüge fehlen, da die Flotte aufgrund von Achsproblemen häufiger in die Werkstätten muss als geplant. Man bedauere die Verzögerung und arbeite mit Hochdruck, sagte Siemens-Manager Hans-Jörg Grundmann. Carsten Brönstrup

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