Wirtschaft : „Politiker entscheiden nicht gegen den Markt“ Solar-Konzern Sharp sieht Bundestagswahl gelassen

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Herr Thiele, alle Umfragen deuten auf einen Wahlsieg der Union hin. Machen Sie sich Sorgen?

Wir gehen davon aus, dass die Förderung durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) weiterhin Bestand hat – so, wie sie jetzt existiert. Der Markt ist so stark, dass es für Politiker keinen Sinn macht, Entscheidungen gegen ihn zu treffen.

Aber Sie müssen sich doch unter einer unionsgeführten Regierung auf Kürzungen bei der SolarFörderung einstellen.

Jede Kürzung würde die Entwicklung der Branche hemmen. Dafür gibt es ein warnendes Beispiel: Dänemark. Dort wurde für die Windkraft das EEG-ähnliche Fördermodell gekippt, kurze Zeit später ist der Markt eingebrochen. Von solchen Experimenten wird man hierzulande mit Sicherheit die Finger lassen.

Sharp stellt seine Solarzellen ausschließlich in Japan her, die Solarmodule produzieren Sie in Großbritannien. Man könnte sagen, das deutsche EEG finanziert japanische und britische Arbeitsplätze.

Man kann ein Werk nicht immer da errichten, wo die Märkte sind. Wir sind eine globale Firma, und wir müssen unsere Konzernstrategie global ausrichten. In der deutschen Solar-Sparte sind immerhin 40 Personen mit Vertrieb und Marketing betraut. Außerdem entfällt nur ein Viertel der Arbeitsplätze auf die Produktion. Drei Viertel entstehen in anderen Bereichen, vor allem bei der Installation der Anlagen. Das schafft Beschäftigung bei den Handwerkern vor Ort.

Werden Sie denn in Zukunft auch in Deutschland produzieren?

Diese Entscheidung fällt grundsätzlich das obere Topmanagement in Japan.

Die Freiburger Solarstrom AG und der Energiekonzern Shell bauen gerade solare Großprojekte mit einer Leistung von 10 beziehungsweise 12 Megawatt (MW). Sharp setzt dagegen vor allem auf kleinere Anlagen auf Dächern. Warum?

Dachflächen gibt es wie Sand am Meer, der Markt ist fast unbegrenzt. Wir halten das für deutlich sinnvoller, als in Freilandflächen zu investieren – allein schon, weil es so keine Konflikte mit dem Naturschutz gibt. Außerdem glauben wir, dass Solarenergie bald ein selbstverständlicher Teil der Haustechnik sein wird. In Japan ist das Verständnis dafür schon so weit, dass man beim Kauf eines Hauses fast immer eine Solar-Anlage mitordert.

Die Branche klagt derzeit über eine Verknappung des wichtigen Rohstoffs Silizium. Wie wirkt sich das bei Sharp aus?

Wir sind natürlich auch von dem Engpass betroffen und bekommen nicht so viel Silizium, wie wir bräuchten. Über das Jahr 2005 gesehen werden wir unsere Produktionskapazität von 400 MW aber voll auslasten. Weitere Ausbaupläne könnten sich allerdings verzögern.

Wie reagieren Sie auf den Engpass?

Wir treiben andere Technologien voran, die uns von Silizium unabhängiger machen. Das gilt zum Beispiel für die Dünnfilmtechnologie, bei der Solarzellen mit weniger Silizium auskommen. Auch Lichtkonzentratoren sind eine Lösung. Dabei werden Zellen verwendet, die gar kein Silizium mehr brauchen.

Wann gibt es wieder genug Silizium?

Wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte 2006. Die Silizium-Hersteller haben den Boom der Solarindustrie einfach verschlafen und kommen deshalb mit der Produktion nicht hinterher. Nun dauert es eben eine Weile, bis es neue Siliziumfabriken gibt. Wir hoffen aber, dass sich bald eine Entspannung abzeichnet.

Das Interview führte A. Waldermann

Peter Thiele (43) ist Deutschland-Chef von Sharp-Solar. Er ist

vor allem für Marketing und Vertrieb zuständig. Die Produktion von Solarzellen erfolgt ausschließlich bei Sharp in Japan.

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