Wirtschaft : Politisch korrekt einkaufen

BONN (AP/AFP).Verbraucher sollen künftig mit dem Einkaufskorb Politik machen können.Wer beim Einkauf von Brot, Käse und Schokolade auch wissen will, welche Firmen und welche Firmenpolitik er mit seinem Geld unterstützt, der kann sich jetzt in einem neuen Buch informieren.Die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) hat 75 Unternehmen genauer unter die Lupe genommen.Entstanden ist der Ratgeber "Der Unternehmenstester - Lebensmittel", den AgV-Präsident Heiko Steffens am Montag in Bonn vorstellte."Im Kampf um Marktanteile bestimmen letztlich die Verbraucher, welche Unternehmen das Rennen machen." In dem Taschenbuch können Konsumenten nun nachlesen, ob sich ein Hersteller in der Gentechnik, im Umweltschutz oder der Sozialpolitik engagiert.Allerdings läßt das Buch noch viele Fragen offen: Zahlreiche Konzerne gaben sich auf Nachfragen der Verbraucherschützer zugeknöpft und erschwerten so eine vergleichende Bewertung.

"Meine Mark bekommt nicht jeder" - nach diesem Motto sollten Verbraucher mit dem Führer in der Hand in Geschäfte gehen und einkaufen, riet Steffens.Insgesamt untersuchte das Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft (imug) in Hannover anhand von 70 Kriterien die Unternehmen der Branche.In dem Ratgeber wurden die Ergebnisse in den fünf Kategorien Informationsoffenheit, Verbraucherinteressen, Arbeitnehmerpolitik, Frauenförderung, Behinderteninteressen und Umweltengagement zusammengefaßt.Bei der Bewertung reichen die Noten für die Unternehmen in vier Stufen von der umfassenden bis zur unzureichenden Erfüllung der Forderungen der Verbraucherschützer.Beim Umweltschutz schnitten im Test die Firmen Dr.Oetker, Märkisches Landbrot, der Babynahrungshersteller Hipp, die Getränkefirma Blaue Quellen und die Biermarke Neumarkter Lammsbräu am besten ab.Im Bereich Verbraucherinteressen, der unter anderem die Kriterien Qualitätssicherung, Verzicht auf problematische Zusatzstoffe und BSE-Tests umfaßt, stand der kleine Tee- und Kaffeehersteller Lebensbaum an der Spitze.Ihm folgten Milupa, Märkisches Landbrot, Harry-Brot und Hipp.

Im Vergleich zur ersten Untersuchung vor vier Jahren hätten sich "deutlich mehr Unternehmen" den Fragen der Unternehmenstester gestellt, sagte imug-Sprecher Ingo Schoenheit.Dennoch sind in dem Ratgeber viele Fragzeichen geblieben.In den Bereichen Süßwaren und Frucht- und Gemüsesäfte erhielten die Testern nicht einmal von der Hälfte aller Unternehmen ausreichende Antworten für eine Bewertung.Der Ratgeber erscheint als Taschenbuch in der Rowohlt Sachbuchreihe.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben