Wirtschaft : Polizei durchsucht Villa von Mobilcom-Gründer Schmid

Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue / Fahnder stellen Akten und Computerfestplatten sicher

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Hamburg (lip/HB). Gerhard Schmid, Firmengründer der Büdelsdorfer Mobilcom AG, gerät weiter in Bedrängnis: Die Staatsanwaltschaft in Kiel hat am Donnerstag die Privatvilla des ExVorstandschefs in Lürschau bei Schleswig sowie Büroräume der Millenium GmbH durchsucht. Sie gehört Schmids Ehefrau Sybille Schmid-Sindram. Auch in der Mobilcom-Zentrale stellten die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei umfangreiches Beweismaterial sicher. Ferner wurden von den Behörden beim ehemaligen Aufsichtsratschef Klaus Ripken Unterlagen wie Aufsichtsrats-Protokolle mitgenommen.

„Gegen mich wird aber nicht ermittelt, und ich bin in der Sache nicht betroffen“, sagte Ripken dem Handelsblatt. Schmid wollte sich auf Anfrage nicht zur Sache äußern. Mobilcom bestätigte den Vorgang und erklärte sich bereit, mit den Behörden zusammenzuarbeiten.

Auslöser der Polizeiaktion sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kiel. Sie ermittelt gegen Schmid wegen des Verdachts der Untreue. Noch als Vorstandsvorsitzender hatte der einstige Shooting-Star der Telekom-Branche 2001 ein Aktien-Optionsprogramm mit der Millenium GmbH abgeschlossen und dafür mehr als 71 Millionen Euro an die Firma seiner Frau bezahlt. Mit den Aktien sollten besonders erfolgreiche Mobilcom-Verkäufer belohnt werden. Doch der Aufsichtsrat zweifelte die Rechtmäßigkeit des Geschäfts an und feuerte Schmid als Vorstandschef.

Nun verlangt Mobilcom von dem Firmengründer die Rückzahlung des Millionenbetrags. Bekommt er die Summe bis Ende März nicht zusammen, kann Schmids Treuhänder aus dem Depot der Millenium GmbH nach Informationen des Handelsblatts rund 5,6 Millionen Aktien an der Börse verkaufen. Beim derzeitigen Kurs von drei Euro würde Mobilcom rund zwölf Millionen Euro und damit nur einen Bruchteil der Forderung bekommen.

Die restliche Summe kann Mobilcom vorerst nicht eintreiben. Denn die Büdelsdorfer Gesellschaft hat mit Schmid eine „Friedenspflicht“ vereinbart. Sie sieht vor, dass das Unternehmen bis Ende 2004 die Summe nicht vor Gericht einklagen kann. Unklar ist hingegen die Rechtslage, wenn Gerhard Schmid das Aktienoptionsgeschäft möglicherweise unrechtmäßig abgewickelt haben sollte. Dann hat Mobilcom offenbar die Möglichkeit, die Summe schneller einzufordern.

Im Kampf um die Macht bei Mobilcom hat Schmid zudem erneut einen Dämpfer erlitten. Danach ist der Freenet-Vorstandschef Eckhard Spoerr nicht mehr bereit, in den Vorstand von Mobilcom einzuziehen. „Herr Spoerr steht nicht für einen Posten bei Mobilcom zur Verfügung und will weiterhin Freenet-Vorstand bleiben“, sagte eine Freenet-Sprecherin auf Anfrage. Mobilcom ist an dem nach T-Online und AOL drittgrößten deutschen Internetdienst mit mehr als 76 Prozent beteiligt. Schmid hatte versucht, den Aufsichtsrat von Mobilcom für sich zu gewinnen, um Spoerr in den Vorstand der Gesellschaft zu hieven. Doch der Mobilcom-Gründer erhielt für seinen Plan nicht die notwendige Mehrheit. Spoerr gilt als Schmid-Vertrauter.

Nun soll offenbar der Mobilcom-Vertriebsleiter Michael Grodd zum neuen Vorstand Vertrieb und Marketing bei Mobilcom berufen werden. Die entsprechende Empfehlung eines extra dafür eingesetzten Personalausschusses soll auf der kommenden Aufsichtsratssitzung von Mobilcom am Montag nächster Woche abgesegnet werden, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der Gesellschaft. Ein Sprecher lehnte hierzu einen Kommentar ab. Damit wäre der Vorstand der Büdelsdorfer Gesellschaft mit zwei Personen wieder vollständig.

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