Wirtschaft : Polnische Eier auf dem Ostertisch

Billig-Importe nehmen zu / Bauern unterschätzen Nachfrage nach Bioware

Nils-Viktor Sorge

Düsseldorf - Pünktlich zu Ostern haben die Eierpreise in Deutschland neue Höchstwerte erreicht. Durchschnittlich 93 Cent im Zehnerpack kosteten die am Markt noch immer dominierenden Käfig- Eier zuletzt, sagte Geflügelexperte Werner Böttcher von der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) dem Tagesspiegel. „Dieses Preisniveau hatten wir zuletzt während der holländischen Geflügelpest 2003.“ Anfang 2005 kosteten zehn Eier noch weniger als 70 Cent.

Der jüngste Preisschub um 20 Prozent ist aber nur zum Teil ein Oster-Effekt. Er ist auch eine Folge strengerer Regeln für die Käfighaltung in Deutschland. Hennenhalter bauen ihre ab 2009 per Gesetz verbotenen kleinen Käfige ab oder rüsten um auf größere Volieren oder Bodenhaltung.

Die Folge: Die Deutschen geben mehr für Eier aus. Etwas billiger kamen zuletzt nur Käufer von Eiern aus Boden- und Freilandhaltung weg – in den vergangenen zwei Jahren sind die Preise für zehn Stück um etwa zehn Prozent auf 1,19 Euro beziehungsweise 1,42 Euro gesunken. Unterm Strich schrumpfte das Eier-Angebot von 2000 bis 2006 aber um 13 Prozent auf 12,6 Milliarden Stück im Jahr und damit schneller als die ebenfalls rückläufige Nachfrage.

Verbraucher köpfen deshalb auch immer häufiger Import-Eier, deren Produktion zum Teil deutlich günstiger ist als in Deutschland. In den meisten anderen EU-Staaten sind Käfige noch bis 2012 erlaubt. „Unser Selbstversorgungsgrad ist auf 69 Prozent gesunken“, sagt Böttcher. Vier von fünf eingeführten Eiern kommen derzeit noch aus den Niederlanden. Doch als Ei-Exporteure werden die neuen EU- Länder immer stärker. Die Zahl der aus Polen importierten Eier verdoppelte sich 2006 laut ZMP fast auf 176 Millionen.

Mit gemischten Gefühlen sieht der Präsident des Ökobauern-Verbandes Bioland, Thomas Dosch, diese Entwicklung. „Die Eierindustrie baut ihre Käfige zurzeit in Deutschland ab und in Osteuropa wieder auf.“ Standorte in Tschechien und Polen stünden bei den Großproduzenten hoch im Kurs. Einige sollen sich bereits in Richtung Ukraine orientieren, wo die Regeln noch laxer sind.

Die zu Billigstkonditionen produzierten Eier kommen dann zwar selten auf deutsche Frühstückstische. Stattdessen dienen sie als Zutaten für Fabrik-Kuchen, Nudeln oder Eis. „Die Eier werden zu Industriemasse oder Pulver verarbeitet. Das würde ein normaler Mensch nicht mehr als Ei bezeichnen“, sagt Dosch. Zusammen mit anderen Organisationen wie Foodwatch fordert Bioland daher eine neue Kennzeichnung auf Verpackungen von Ei-Produkten. Der Verbraucher soll erkennen können, woher das Ei etwa im Kuchen, den Nudeln oder dem Eis kommt und wie glücklich die Henne ist, die es gelegt hat. Für rohe Eier gilt eine solche Kennzeichnungspflicht längst.

Für viele kleinere deutsche Hühnerfarmen bedeutet die Gesetzesumstellung nach Ansicht von Branchenverbänden sogar das Aus. Die Kosten für eine Umstellung auf größere Käfige seien zu groß. „Und die können nicht mal so eben in die Ukraine umziehen“, sagt ZMP-Geflügelexperte Böttcher.

Aus dem Ausland kommt laut Bioland aber auch ein immer größerer Anteil der zuletzt verstärkt nachgefragten Bio-Eier nach Deutschland. Deren Absatz stieg 2006 dem Verband zufolge um 26 Prozent. „Der Großteil dieses Wachstums geht auf Importe zurück“, sagt Dosch. Die deutschen Bauern hätten auch bei der Eierproduktion den Bio-Trend verschlafen. „In den vergangenen Jahren haben kaum Betriebe von konventioneller Produktion auf Bio umgestellt“, sagt Dosch. Die Landwirte seien wegen der Polemik des Bauernverbandes gegen die Politik der rot-grünen Bundesregierung verunsichert gewesen. So füllten Holländer, aber auch Dänen und Ungarn die Lücke. „Auch die Polen entdecken den deutschen Bio-Eier-Markt.“ 30 Prozent der EU-weiten Umsätze würden in der Bundesrepublik erzielt. Der Marktanteil von Bio-Eiern betrug laut ZMP 2006 sechs Prozent. Unter den 206 Eiern, die jeder Deutsche rein statistisch 2006 aß, waren somit nur zwei Sechserpakete Bio-Eier.

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