Wirtschaft : Populismus nach Münchener Art (Kommentar)

Daniel Rhee-Piening

Bundeskanzler Gerhard Schröder bekommt Unterstützung aus München. Und zwar bei der Ablehnung der so genannten feindlichen Übernahme von Mannesmann durch Vodafone-Airtouch. Wenn es um die Verteidigung vermeintlich deutscher Interessen geht, und wenn man dem Volk nach dem Munde reden kann, ist Edmund Stoiber, Bayerns CSU-Ministerpräsident, immer mit dabei. Diesmal also sollen es Fairplay-Regeln für Übernahmen sein. Vergessen ist das Zusammenwachsen Europas, vergessen ist beispielsweise der Einstieg von BMW bei Rover, oder der Erfolg des Airbus-Konsortiums. Natürlich läßt Stoiber seine Forderungen sehr im Nebel. Er appelliert lieber an die Gefühle der Zeitungsleser. Sicherlich kann man darüber diskutieren, ob Übernahme-Verfahren transparenter, schneller und effizienter gemacht werden könnten. Doch muss vorab über einige Dinge Konsens bestehen. Wenn sich das Verfahren im vorliegenden Falle so lange hinzieht, so liegt dies in erster Linie am Management von Mannesmann. Wenn einem Aktionär ein Aktientausch zu unsicher erscheint, ist er keinesfalls gezwungen, einen solchen mitzumachen. Im Gegenteil, wer auf Bargeld aus ist, kann sein Papier an der Börse verkaufen. Ob die von Vodafone beabsichtigte Fusion wirklich Arbeitsplätze kostet, ob sie an anderer Stelle Arbeitsplätze sicherer macht, oder gar schafft, steht noch keineswegs fest. Offen ist auch, ob die bessere Unternehmensstragie in Düsseldorf oder London entworfen wird. Man sollte von Politikern nicht verlangen, "Volksaufklärer" zu sein. Aber aus durchsichtigen Gründen mehr zur Verwirrung beizutragen als zur sachlichen Diskussion - das sollten sie sich besser verkneifen.

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