Wirtschaft : Porsche fährt weiter mit Vollgas

GENF (stw/HB).Der Porsche-Vorstandsvorsitzende, Wendelin Wiedeking, läßt juristische Schritte gegen die Subventionen für Autohersteller prüfen.Noch in dieser Woche wolle er an EU-Wettbewerbskommissar Karel Van Miert schreiben, "damit diese Praxis aufhört", sagte Wiedeking am Dienstag auf dem Automobilsalon in Genf.Angesichts der Überkapazitäten in der Autoproduktion seien staatliche Zuschüsse für den weiteren Ausbau von Fabriken nicht zu vertreten, erklärte Wiedeking, dessen Unternehmen nach eigenen Aussagen noch nie größere Subventionen erhalten hat.Wiedeking hob das nach seiner Meinung bevorstehende "Geschenk für Rover" durch die britische Regierung hervor.Rover sei mit Blick auf den neuen Porsche-Geländewagen ebenso ein Konkurrent der Zuffenhausener wie in einem früheren Fall Jaguar.

Im vergangenen Jahr seien 115 Mrd.DM aus Staatskassen an deutsche Unternehmen gegangen, sagte Wiedeking: "Ich glaube nicht, daß das Geld in den Mittelstand geflossen ist." Einsparungen bei den Subventionen böten Potential für echte Steuersenkungen.Die Chancen für eine formelle Beschwerde bei der EU schätzt man bei Porsche aber offenbar gering ein.Juristisch gebe es in den meisten Fällen keine Bedenken.

Die Porsche AG, Stuttgart, hat selbst weiterhin keinerlei Subventionsbedarf.Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 1998/99 (31.Juli) erzielte das Unternehmen einen Gewinn vor Steuern von 198,8 (entsprechender Vorjahreszeitraum 80,3) Mill.DM.Der Jahresüberschuß wuchs im Vorjahresvergleich von 69,7 Mill.DM auf 117,4 Mill.DM.Grund für den etwas geringeren Anstieg war der Wegfall der steuerlichen Verlustvorträge, die bei der Dr.Ing.h.c.F.Porsche AG jahrelang bestanden haben.Der Umsatz stieg um 30 Prozent auf 2,55 Mrd.DM.Der Zuwachs beim Fahrzeugabsatz betrug 25,6 Prozent auf 18 800 Fahrzeuge.Das größte Plus gab es mit 37,8 Prozent in Nordamerika, der Ansatz im Inland wuchs um gut 13 Prozent.Die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich in der Berichtszeit um drei Prozent auf 8383 Personen.Dies sei im wesentlichen auf die Neueinstellung von Ingenieuren im Entwicklungsbereich zurückzuführen.Die Investitionen im Konzern verringerten sich den Angaben zufolge von 141 Mill.DM auf 103 Mill.DM.

Den weit überproportionalen Gewinnanstieg erklärte Wiedeking mit dem Trend zu den Topmodellen in der Porsche-Palette.So hätten allein mehr als 12 000 Kunden die Möglichkeit genutzt, ihr Auto bis ins Detail individuell auszustatten.Vor wenigen Jahren nahmen an diesem speziellen Programm erst 5000 Kunden teil.Auch die Erfolge des aufwendigen Cabrios und der Allradvariante halfen, den Gewinn auszupolstern.Weitere Erfolge in der Luxusklasse verspricht sich Wiedeking von dem in Genf präsentierten "911 GT3", einem Rennwagen für die Straße zum Basispreis von gut 179 000 DM.Zur Frankfurter IAA im September wird mit dem "911 Turbo" ein weiteres Topmodell präsentiert.Der mit VW entwickelte Geländewagen soll von 2002 an einen neuen Wachstumsschub bringen.

Wiedeking warnte allerdings davor, die Wachstumsraten der ersten sechs Monate auf das Gesamtjahr hochzurechnen.Das erste Halbjahr 1997/98 sei wegen zweier Produktanläufe relativ schwach gewesen.Für das Geschäftsjahr 1998/99 insgesamt rechnet er mit einem Umsatz von mehr als 5,5 Mrd.DM nach 4,9 Mrd.DM im Vorjahr.Die Produktion soll von 38 000 auf rund 40 000 Autos steigen.

Wiedeking kritisierte erneut Äußerungen von anderen Auto-Chefs über einen drohenden Abschwung."Angesichts der momentan etwas labilen Situation halte ich die Verkündung eines negativen Szenarios für wenig geeignet, die wirtschaftliche Lage zu stabilisieren." Negativ geprägte Vorhersagen müßten zwar nicht, könnten aber fatale volkswirtschaftliche Konsequenzen haben, so Wiedeking weiter.

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