Wirtschaft : "Porsche-Fahrer sind leistungsorientiert" - Interview mit Willi Diez

Herr Diez[die Autoindustrie leidet unter Übe]

Über das neue Porsche-Werk sprach Alfons Frese mit Willi Diez, dem Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Nürtingen.

Herr Diez, die Autoindustrie leidet unter Überkapazitäten. Wie sinnvoll ist da eine neue Fabrik?

Es gibt Überkapazitäten und es gibt Unterkapazitäten weil es unterschiedlich erfolgreiche Hersteller gibt. Und Porsche gehört zu den erfolgreichsten Unternehmen. Die Chancen in einer neuen Fabrik liegen vor allem darin, dass man tatsächlich etwas ganz Neues machen kann und somit die Produktivität erhöht. Auch deshalb, weil sich das Unternehmen eine neue Mannschaft zusammenstellen kann. Opel zum Beispiel hat in Eisenach Maßstäbe hinsichtlich der Produktivität gesetzt und will jetzt auch am Stammsitz in Rüsselsheim neu bauen.

Ist der Standort Deutschland nicht zu teuer?

Ein Porsche muss an einem Standort produziert werden, der für seine Qualität bekannt ist - und das ist Deutschland. Wenn das Auto etwa aus Kostengründen weiter östlich produziert würde, bekäme Porsche Akzeptanzschwierigkeiten. Schließlich kann es Qualitätsprobleme geben, wie etwa in der ungarischen Audi-TT-Fertigung.

Wie groß ist der Markt für den Porsche-Geländewagen?

Einen jährlichen Absatz von 20 000 Fahrzeugen, wie ihn Porsche erwartet, halte ich für eine eher konservative Planung. Insbesondere in den USA ist der Markt für diese Autos riesengroß. Etwas problematisch könnte sich die Zusammenarbeit mit VW auswirken. In den 70er Jahren gab es einmal einen VW-Porsche, der von beiden Unternehmen gemeinsam entwickelt und auf den Markt gebracht wurde. Das hat damals nicht hingehauen: Für VW-Kunden war das Auto zu teuer und für Porsche-Fahrer kein richtiger Porsche. Daraus sollten beide Unternehmen gelernt haben und deutlich Unterschiede bei Optik und Ausstattung anstreben.

Können Sie nachvollziehen, dass Porsche auf Investitionszuschüsse in Leipzig verzichtet?

Porsche-Fahrer denken sehr leistungsorientiert und dürften eine gewissen Sympathie für den Verzicht auf Subventionen haben.

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