Porsche-Fans : Leidenschaft fürs Gaspedal

Berliner Porsche-Fans ist die Eingliederung ihrer Lieblingsmarke in den VW-Konzern egal. Hauptsache, die Autos sind schnell.

Adrian Pickshaus

Berlin - Manfred Pfeiffer war 15 Jahre alt, als er sich in einen Porsche verliebte. Es war im August 1949, Pfeiffer saß auf der Pritsche des Kleinlasters seines Vaters. Zusammen tuckerten die beiden durch die baden-württembergische Provinz, sie lieferten von Berlin aus Waren in das von den Amerikanern besetzte Ländle. Plötzlich flog etwas an ihnen vorbei: ein schwarzer Porsche 356, das erste Serienmodell des Stuttgarter Sportwagenbauers. Der Volksmund rief den zweisitzigen Roadster „Ferdinand“. Für den jungen Manfred war die kurze Begegnung der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft. Daran wird auch die anstehende Porsche-Übernahme durch VW nichts ändern.

Heute ist Pfeiffer Geschäftsführer des Berliner Porsche Clubs Brandenburger Tor. Der ehemalige Marketing-Manager der Kindl-Brauerei fährt zurzeit seinen zwölften Porsche, einen 911er. Der Sportwagen ist gelb lackiert, „wegen der Sicherheit“, wie der 75-Jährige betont. Knapp 30 aktive Club-Mitglieder treffen sich einmal im Monat im Hotel Steigenberger. Kurztrips mit den schnellen Flitzern müssen organisiert, Renntage auf Strecken wie dem Lausitzring vorbereitet werden. Der Machtkampf und die Demontage von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ließen die Mitglieder überwiegend kalt, sagt Pfeiffer: „Davon lesen wir nur in der Zeitung, aber betroffen macht uns das nicht.“ Möglichkeiten zur Einflussnahme gebe es ohnehin nicht. Solange sich nichts an der guten Infrastruktur, den Berliner Händlern und Werkstätten ändere, hielten die Club-Mitglieder sich mit Kommentaren zurück.

Platz für Emotionen ist am Lenkrad. „Bei Porsche geht es viel um das Gefühl. Um die Leidenschaft, zügig zu fahren“, sagt Pfeiffer. Echte Porsche-Fans seien aber sehr diszipliniert, kein Vereinsmitglied habe jemals den Führerschein verloren. Lieblingsmodell der Auto-Enthusiasten sei die 911er Baureihe, jüngere Verkaufserfolge wie der Geländewagen Cayenne hätten eine andere Klientel.

Das sagt auch Dietmar Strouhal, Präsident des Porsche-Clubs Berlin. Der Maschinenbau-Unternehmer fährt einen 911er GT3, die sportlichste Variante der Baureihe, knapp 400 Pferdestärken röhren unter der Motorhaube. Auch Strouhals Porsche ist gelb. Und auch er sieht den Machtkampf der letzten Wochen eher gelassen: „Solange ein Porsche bleibt, was er ist, ist der Besitzer egal.“ Die Unternehmensgeschichte sei eine faszinierende Erfolgsstory, VW werde da jetzt „bestimmt nicht ins Tagesgeschäft hineinregieren“. Außerdem zeige das Beispiel Audi, dass die Wolfsburger Konkurrenz innerhalb ihrer Unternehmensgruppe zuließen. Gelitten habe das Porsche-Image in letzter Zeit trotzdem: „Das liegt aber nicht daran, dass VW in Zukunft die Anteilsmehrheit halten wird. Der öffentliche Zirkus um die Übernahme, der hat geschadet.“ Der Großteil seiner Club-Mitglieder blicke optimistisch in die Zukunft. Nur über Wiedekings gescheiterten Versuch, VW zu übernehmen, gingen die Meinungen der knapp 50 Club-Mitglieder weit auseinander. Kein Wunder, denn die berufliche Bandbreite der Porsche-Fans im Verein ist groß: Ärzte, Selbstständige, Beamte und Designer. Eines haben sie dann doch gemeinsam: „Mehr Geld als der Durchschnitt“, sagt Strouhal. Und den Fuß auf dem Gaspedal. Adrian Pickshaus

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