Wirtschaft : Porsche fühlt den Aufschwung

Luxus läuft – doch Vorstandschef Wiedeking warnt auf der Automobilmesse IAA vor überzogenen Erwartungen

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Frankfurt (Main) (alf/ro). Die deutsche Autoindustrie hat sich mit vielen neuen Modellen auf einen Aufschwung vorbereitet. „Wenn er kommt, werden wir dabei sein“, verkündete PorscheChef Wendelin Wiedeking am Dienstag zum Auftakt der 60. Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt. Wiedeking warnte allerdings vor überzogenen Erwartungen. Bislang gebe es nur einen „gefühlten“ Aufschwung, die Prognosen der Experten hätten sich nicht erfüllt.

Die vorsichtige Prognose des Sportwagenbauers blieb nicht ohne Wirkung an der Börse. Porsche-Aktien gaben bis zum Handelsschluss um 6,69 Prozent auf 384,25 Euro nach. Entscheidend sei, so der Porsche-Chef, ob „die so genannten Wirtschafts-Gurus recht behalten und sich der Aufschwung tatsächlich einstellt“. Auf Dauer sei es schwierig, gegen den Strom der Weltwirtschaft zu schwimmen. Porsche allerdings hat sich bislang erfolgreich dagegen gestemmt – mit neuen Rekorden bei Umsatz und Gewinn.

Als einziges Unternehmen nannte Porsche am Dienstag neue Zahlen für das am 31. Juli abgeschlossene Geschäftsjahr. Trotz Börsen- und Konjunkturbaisse, trotz Terrorangst und Krieg sei der Absatz in Deutschland und in den USA zweistellig gewachsen. Als Motor erwies dabei der erst im Oktober 2002 eingeführte Geländewagen Cayenne, von dem 20 603 Stück abgesetzt wurden.

Insgesamt verkaufte Porsche rund 66 800 Autos und damit gut 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Cayenne hat damit den deutlichen Verkaufseinbruch beim Boxster und den 911er Modellen aufgefangen. Der Umsatz kletterte um 15 Prozent auf den neuen Höchstwert von 5,6 Milliarden Euro. Auch beim Gewinn sei der Vorjahreswert von gut 828 Millionen Euro deutlich übertroffen wurden, sagte Wiedeking.

Bei den Konkurrenten Mercedes-Benz und BMW lief das Geschäft nicht ganz so gut. Angesichts der weltweiten Konjunkturflaute sind die Autobauer aus Stuttgart und München aber mit ihren Zahlen zufrieden. Luxus lief zwar in den vergangenen Jahren, schwer hatten es dagegen die Autos der so genannten Golfklasse.

Trotz der schwierigen Situation auf den wichtigsten Märkten glaubt Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp, das angepeilte Ziel von fünf Milliarden Euro Gewinn in diesem Jahr erreichen zu können. „Wir werden in der Nähe von fünf Milliarden Euro aus dem operativen Geschäft erwirtschaften“, sagte Schrempp am Rande der IAA. Vor allem die Verkaufsrabatte bei der Chrysler Group in den USA machen dem Konzern schwer zu schaffen. Es werde für Chrysler „nicht einfach“, die schwarze Null zu erreichen, aber das Chrysler-Management verschärfe nun die Kostensenkung, so dass es Schrempp zufolge „Annahmen“ gibt, dass doch noch die Verlustzone verlassen wird. Chrysler hatte aufgrund der nochmals gestiegenen Rabatte für das zweite Quartal einen Milliardenverlust melden müssen.

Mercedes setzte in den ersten acht Monaten 726 000 Autos ab. Zwar waren das zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Dennoch ist Mercedes-Chef Jürgen Hubbert zufrieden: Der Absatz bestätige „in einer schwierigen Weltwirtschaft die Richtigkeit unserer Strategie“, sagte er auf der IAA. Im Mittelpunkt des Messeauftritts der Stuttgarter steht der Supersportwagen Mercedes-Benz SLR McLaren. Das Auto für rund 375 000 Euro wird von 626 PS angetrieben. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 334 km/h liegt der SLR aber doch deutlich unter dem neuen Bugatti aus dem Hause Volkswagen, der es mit 1001 PS auf über 400 km/h bringt. Der Luxus-Sportwagen der VW-Tochter soll im kommenden Jahr auf den Markt kommen.

Erstmals lüftete BMW-Chef Helmut Panke am Dienstag den Vorhang vor dem Geländewagen X3, der Anfang nächsten Jahres auf den Markt kommen soll. Der X3 ist der kleinere Bruder des X5, von dem BMW in den vergangenen vier Jahren 220 000 Stück verkaufen konnte.

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