Porsche : Gesetzeslücke für Zocker

Die deutsche Investmentbranche und Anlegerschützer haben ihre Forderung nach schärferen Transparenz- und Meldevorschriften bei Wertpapiergeschäften bekräftigt. Sie fordern Konsequenzen aus dem Fall Porsche/Volkswagen zu ziehen.

Henrik Mortsiefer
295755_0_ef7ac291.jpg
Wer wusste wann wie viel? Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking (re.) und VW-Großaktionär Christian Wulff (CDU), Ministerpräsident...dpa

Berlin -Die am Donnerstag bekannt gewordenen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen Ex- Porsche-Chef Wiedeking und die wiederholten Kapriolen der VW-Aktie zeigten, „wie nötig die Forderung nach mehr Transparenz am Aktienmarkt ist“, sagte ein Sprecher des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) am Freitag dem Tagesspiegel. Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) plädierte „für eine engmaschige Meldepflicht, damit mögliche Zockereien eingedämmt werden“, wie DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker dieser Zeitung sagte.

Der BVI, der die Interessen einflussreicher institutioneller Anleger vertritt, hatte am Donnerstag ein entsprechendes Positionspapier an alle Bundestagsabgeordneten versandt. Darin warnt der Verband vor den Folgen verdeckter Übernahmeversuche wie bei Porsche/VW oder Schaeffler/Continental. In beiden Fällen waren die Übernahmen über intransparente, aber legale Optionsgeschäfte auf dem Terminmarkt vorbereitet worden. Anders als bei Aktienkäufen musste über diese Transaktionen aber nicht informiert werden. Die betroffenen Unternehmen wurden deshalb überrascht; am Aktienmarkt kam es zu massiven Turbulenzen. „Langfristig orientierte Anleger müssen davor geschützt werden, dass sich potenzielle Bieter im Vorfeld von Unternehmensübernahmen durch Termingeschäfte an Zielunternehmen unbemerkt heranschleichen“, fordert der BVI. „Werden solche Vorgänge plötzlich bekannt, kommt es zu Kurskapriolen, die nicht nur langfristig orientierten Anlegern schaden, sondern auch die Reputation des Kapitalmarkts beeinträchtigen.“

Zwar hat der Gesetzgeber das Wertpapierhandelsgesetz nachgebessert. So müssen Investoren einen Aktienbesitz ab drei Prozent veröffentlichen, bei Optionen zum Erwerb von Aktien liegt die Meldegrenze bei fünf Prozent. Das deutsche Recht lässt Investoren aber größere Lücken als andere Länder, weil bestimmte Arten von Termingeschäften nach wie vor nicht meldepflicht sind – etwa auch die von Porsche für die (gescheiterte) VW-Übernahme genutzten Optionen.

Bei Porsche geht die Staatsanwaltschaft dem Verdacht nach, dass das Unternehmen börsenrelevante Informationen unerlaubt weitergegeben und zur Kursmanipulation genutzt hat. Die Finanzaufsicht Bafin, die bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige erstattet hat, hatte Prüfungen eingeleitet, ob Porsche seine Absicht zur Übernahme von 75 Prozent der VW-Stimmrechte für eine gewisse Zeit verschleiert hat. Demnach könnte Porsche bereits bei einem Treffen von Porsche-Vertretern mit der niedersächsischen Staatskanzlei im Februar 2008 zu erkennen gegeben haben, dass der Sportwagenbauer bei Europas größtem Autohersteller die 75-Prozent-Mehrheit und einen Beherrschungsvertrag plante. Diese möglicherweise börsenrelevante Information dementierte Porsche wenige Tage später ausdrücklich. Dies veranlasste viele Investoren, VW-Aktien zu verkaufen oder über sogenannte Leerverkäufe auf fallende Kurse zu wetten. Im Oktober 2008 teilte Porsche dann überraschend mit, sich über Aktien und Optionen 74 Prozent der Anteile an VW gesichert zu haben. Ein Beherrschungsvertrag wurde für 2009 angekündigt. Daraufhin stieg der Kurs der VW-Stammaktien auf mehr als 1000 Euro. Banken, Fonds und private Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, verloren viel Geld.

0 Kommentare

Neuester Kommentar