Wirtschaft : Porsche soll VW beim Sparen helfen

Konzern betont Unabhängigkeit nach dem Einstieg des Sportwagenbauers/Grundlagenvertrag in Arbeit

Henrik Mortsiefer

Berlin - Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder hat die Unabhängigkeit des Wolfsburger Autokonzerns nach dem Einstieg von Porsche hervorgehoben. „VW bleibt auch in Zukunft bei seinen strategischen und finanziellen Entscheidungen unabhängig“, sagte Pischetsrieder am Dienstag auf einer Telefonkonferenz mit Analysten. Seine Gewinnziele will Volkswagen vorerst nicht verändern – obwohl der Konzern mit Einsparungen von einer Milliarde Euro durch die geplante Zusammenarbeit rechnet. Zu den staatsanwaltlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre und zu Auseinandersetzungen um Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch macht Pischetsrieder keine Angaben. Die Aktie fiel bis zum Handelsschluss leicht um 0,1 Prozent auf 48,70 Euro.

Der Einstieg des Sportwagenbauers habe keinen Einfluss auf die Modellpolitik oder die Geschäftsziele von VW, betonte der Volkswagen-Chef. Von der Kooperation mit Porsche solle zudem die Zusammenarbeit mit anderen Autobauern unberührt bleiben. VW kooperiert mit Daimler-Chrysler beim Bau von Transportern. Alle künftigen Kooperationen müssten zudem dem Grundsatz folgen, dass sie wirtschaftlich seien, sagte Pischetsrieder. Zuletzt war spekuliert worden, Porsches Engagement bei VW sei weit mehr als eine rein finanzielle Beteiligung. So könnte VW – wie schon beim Geländewagen Porsche Cayenne – den Karosseriebau und die Lackierung des geplanten Coupé Panamera übernehmen.

Pischetsrieder trat Befürchtungen entgegen, Porsche könne künftig zu Lasten von VW strategische Entscheidungen treffen. Gemeinsame Projekte müssten beiden Unternehmen nutzen. An eine Überkreuzbeteiligung, also eine Beteiligung von VW an Porsche, sei nicht gedacht. Beide Konzerne können nach Pischetsrieders Einschätzung Kosten teilen, etwa bei der Entwicklung neuer elektronischer Systeme. Der Geländewagen Touareg, den VW zusammen mit dem Cayenne für Porsche in Bratislava baut, wäre beispielsweise ohne die Beteiligung von Porsche nicht so profitabel geworden. Ein Drittel der Entwicklungskosten habe Porsche bezahlt. Auch die Auslastung der VW-Fabriken könnte durch die Zusammenarbeit erhöht werden, hofft Pischetsrieder. VW, so bekräftigte Finanzchef Hans Dieter Pötsch, will bis 2008 den Vorsteuergewinn vor allem durch Einsparungen um vier auf 5,1 Milliarden steigern.

Einen aktuellen Grund zum Optimismus lieferte am Dienstag der Verband der Automobilindustrie (VDA): Die Pkw-Neuzulassungen in Westeuropa haben im September ein Rekordniveau erreicht. Mit voraussichtlich 1,38 Millionen Fahrzeugen (plus zwei Prozent) seien so viele Fahrzeuge verkauft worden wie noch nie in einem September, teilte der VDA mit. Zu dem Anstieg hätten die Vielzahl neuer Modelle und hohe Preisabschläge beigetragen. Die Folgen der hohen Spritpreise fielen deshalb nicht so stark ins Gewicht. Getragen worden sei der Anstieg vor allem von den Automärkten in Frankreich (plus 7,4 Prozent), Spanien (4,6 Prozent) sowie Deutschland und Italien (je 3,5 Prozent).

Der VW-Aufsichtsrat hatte sich am Montag über den Porsche-Einstieg informieren lassen. Dabei wurden nach Angaben des Vorstandschefs Prämissen für einen geplanten Grundlagenvertrag festgelegt, mit dem VW seine Zusammenarbeit mit Porsche regeln will. Porsche hat sich inzwischen fast 19 Prozent des Stammkapitals von VW gesichert und steigt damit vor dem Land Niedersachsen zum Hauptaktionär von Europas größtem Autokonzern auf. „Wir haben mit Porsche nicht nur eine Vereinbarung geschlossen, sondern diese wird auch laufend und unabhängig überwacht“, sagte der VW-Chef. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte am Montag einen „Grundlagenvertrag“ über die Art der Zusammenarbeit gefordert. Wulff und einige Vertreter der Kapitalseite fürchten insbesondere einen zu starken Einfluss des Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch.

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