Porsche : Tränen in Zuffenhausen

Porsche dankt auf einer Betriebsversammlung Wendelin Wiedeking – Experten sehen die Marke unter dem VW-Dach verblassen.

Henrik Mortsiefer
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Berlin - Wolfgang Porsche kämpfte mit den Tränen. Betriebsratschef Uwe Hück wurde noch einmal feierlich. Und 5000 Porsche-Monteure standen im strömenden Regen. „Wir sind dankbar, dass Sie unser Chef waren“, rief Hück am Donnerstagmorgen bei einer Betriebsversammlung in Stuttgart Wendelin Wiedeking zu. Wenige Stunden zuvor war der Porsche-Chef zurückgetreten. Oder besser: die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch hatten nach einem beispiellosen Machtkampf den Daumen über Wiedeking und seinem Finanzchef Holger Härter gesenkt. Nach 17 Jahren Wiedeking geht bei Porsche eine Ära der Tränen zu Ende. Der geschasste Chef presst an diesem Donnerstag die Lippen unter dem Schnurrbart zusammen. Nur so kann er die Tränen zurückhalten.

„Wiedeking hat Porsche aus der Not in Höhen geführt, die für uns alle unvorstellbar waren“, sagte Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche mit brüchiger Stimme. 14 Stunden hat der Aufsichtsrat verhandelt. Bis zuletzt hat Wolfgang Porsche Wiedeking gegen Attacken seines Vetters und VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch verteidigt. Wiedeking habe „wie ein Löwe gekämpft“, sagt Porsche. Doch vergeblich. Um halb sechs wird die Mitteilung verbreitet, dass Wiedeking und Finanzchef Holger Härter das Unternehmen verlassen. Auch ihre Aufsichtsratsposten bei VW und Audi geben sie auf.

Die Zukunft des Sportwagenbauers ist ungewiss. Sehr wahrscheinlich sei, dass „das Unternehmen verschwindet und früher oder später zu einer VW-Marke wird“, wie Ferdinand Dudenhöffer sagte. Der Autoexperte von der Uni Duisburg glaubt, dass die – trotz aller aktuellen Probleme – herausragende Profitabilität und Eigenständigkeit von Porsche künftig „nicht mehr sichtbar“ sein werden. Das heißt, Doppelfunktionen werden beschnitten, Kompetenzen verlagert. So sei wahrscheinlich, dass der Vertrieb von Porsche-Fahrzeugen, die Finanzdienstleistungen, die Ersatzteilversorgung und Teile der Entwicklung künftig bei VW in Wolfsburg stattfinden werden. Wird auch VW davon profitieren? „VW braucht Porsche nicht, um erfolgreich zu sein“, sagt Dudenhöffer. Es sei dennoch zu bedauern, dass einige Vorschläge von Porsche-Chef Wiedeking nun nicht mehr umgesetzt würden. Wiedeking hatte nach dem Einstieg bei VW in Wolfsburg für helle Aufregung gesorgt, als er dafür plädierte, „heilige Kühe“ bei VW schlachten zu wollen. Damit hatte er den traditionell großen Einfluss des Betriebsrates und der Gewerkschaften auf die Konzernentscheidungen sowie die im VW-Gesetz festgeschriebenen Vetorechte des Landes Niedersachsen gemeint. „Der VW- Geist wird nun gestärkt und breitet sich in Zuffenhausen aus“, sagt Dudenhöffer.

Sein Kollege Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Nürtingen, erwartet gleichwohl, dass VW die Eigenständigkeit seiner Marken respektiert. Dies habe der Konzern in der Vergangenheit bewiesen. „Bei VW herrscht ein Grundverständnis dafür, dass eine Marke ein gewisses Eigenleben braucht, um erfolgreich zu sein“, sagt Diez. „Bei den Luxusmarken Bentley und Lamborghini wurden auch keine Polo-Teile verbaut, wie Porsche-Betriebsrat Hück befürchtet.“ Besonders der selbstbewussten Porsche-Belegschaft dürfte es aber nicht leicht fallen, sich künftig als Teil des VW-Konzerns zu verstehen.

VW-Aufsichtsratschef und Porsche- Miteigentümer Ferdinand Piëch, der als der große Gewinner des Machtkampfes gilt, hüllte sich am Donnerstag in Schweigen. Stattdessen nutzte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) die Gelegenheit zum Triumphieren: Die Fusion zwischen den beiden Unternehmen unter der Führung von Volkswagen sei zum Nutzen beider Seiten, sagt Wulff. „Auch wenn es für einige wenige nicht so gut ist.“ mit HB

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