Wirtschaft : Porsche überrascht die Analysten: Der Umsatz steigt um 13 Prozent und ist damit stärker als erwartet

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Der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche fährt weiter Rekordzahlen ein. Der Umsatz der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG stieg nach vorläufigen Zahlen im abgelaufenen Geschäftsjahr 1999/2000 (zum 31. Juli) um 13,3 Prozent auf rund sieben Milliarden Mark. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Insgesamt wurden 48 800 Sportwagen verkauft, fast elf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das Ergebnis vor Steuern sei ebenfalls gestiegen, heißt es. Ergebniszahlen nennt Porsche traditionell erst im November.

Produziert wurden im Porsche-Werk 48 815 Sportwagen und damit 8,2 Prozent mehr als im Vorjahr (45 119 Fahrzeuge). Der Zuwachs war nur möglich, weil die zusätzliche Boxster-Montage in Finnland von 13 459 auf 16 803 Fahrzeuge hochgefahren wurde. Auf das Modell 911 entfielen 23 050 Einheiten. Darunter waren rund 1600 Exemplare des erst im Juni eingeführten Porsche 911 Turbo. Die Turbo-Produktion soll im laufenden Jahr auf 4000 Exemplare ausgeweitet werden. Die Boxster-Modellreihe kam auf 25 747 Einheiten.

Mit diesem neuen Absatz- und Umsatzrekord hat Porsche auch Analysten überrascht. "Noch ein bisschen besser als erwartet", bewertet Hans Schollbach vom Bankhaus Sal. Oppenheim die Zahlen. Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank verweist auf den profitableren Modellmix. Noch stehe die kleinere Modellreihe Boxster für mehr als die Hälfte des Absatzes. Bei den Kunden finde aber zunehmend der teurere Boxster S Anklang. Außerdem profitiere das Unternehmen, das vier von zehn Fahrzeugen in die USA verkauft, vom Dollarkurs. Die meisten Analysten rechnen dennoch für das abgelaufene Geschäftsjahr lediglich mit einem im Vergleich zum Umsatz unterproportionalen Anstieg des Gewinns. Die hohen Kosten für die Entwicklung des Geländewagens Cayenne belasteten den Ertrag. Das Fahrzeug soll ab 2001/2002 in einem neuen Werk in Leipzig vom Band laufen. "Obwohl die Aufwendungen im Entwicklungsbereich wegen der neuen Projekte weiter zunehmen, bleiben wir hochprofitabel", betonte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Porsche entwickelt den Geländewagen gemeinsam mit VW, die Unternehmen bringen aber unterschiedliche Versionen auf den Markt. Porsche will von seiner Variante mehr als 20 000 Stück im Jahr verkaufen.

Porsche ist mit über elf Prozent Umsatzrendite vor Steuern außerordentlich profitabel und gilt als das gewinnstärkste Autounternehmen der Welt. Einen weiteren großen Schub beim Ertrag erwartet Analystin Pia-Christina Schulze von Merck Finck & Co ab dem laufenden Geschäftsjahr 2000/2001. Dann laufe die Produktion für das neue Spitzenmodell 911 Turbo auf vollen Touren. Auch Georg Stürzer erwartet dann "einen deutlichen Ergebnisanstieg". Der Geländewagen werde bei Porsche innerhalb von drei Jahen zu einer 50prozentigen Produktionssteigerung sorgen, was der Aktie einen weiteren Impuls gebe. Angesichts der Perspektiven sei die Porsche-Aktie, die kürzlich erstmals über 4000 Euro kletterte, "immer noch preiswert". Dagegen stuft die Helaba Trust in Frankfurt die Aktie auf marktneutral ein. Auch deshalb, weil die massiven Währungsvorteile allmählich nachließen. Bis zum Dienstagnachmittag lag die Porsche-Aktie bei 4055 und damit fünf Euro über dem Schlussstand vom Montag.

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