Wirtschaft : Porsche und Linde sichern Jobs

Firmen schließen Beschäftigungspakte: Beim Autokonzern müssen Mitarbeiter nicht auf Lohn verzichten

Corinna Visser

Berlin – Die Zahl betrieblicher Bündnisse zur Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland steigt weiter: Am Freitag teilten sowohl der Sportwagenbauer Porsche als auch der Industriegase- und Gabelstapler-Hersteller Linde mit, mit ihrer Belegschaft Beschäftigungspakte geschlossen zu haben. Im Gegensatz zu den Beschäftigten bei Linde müssen die Porsche-Mitarbeiter dabei nicht auf Lohn verzichten. Volkswirte begrüßen solche Bündnisse zur Sicherung von Arbeitsplätzen.

Die Vereinbarung, die Vorstand und Betriebsrat bei Porsche unterzeichnet haben, soll der langfristigen Sicherung der Standorte Stuttgart-Zuffenhausen, Ludwigsburg und Weissach dienen. Sie gilt also nicht für das Werk in Leipzig, das als möglicher Standort für die Produktion der neuen vierten Baureihe im Gespräch ist. Vereinbart ist, dass die 8300 betroffenen Mitarbeiter – unter Beachtung der geltenden Tarifverträge – künftig noch produktiver und flexibler arbeiten. Bei Bedarf können pro Jahr zwölf zusätzliche Sonderschichten gefahren werden. Mit diesem Produktivitätssprung werde Porsche „künftig mit gleichem Personal deutlich mehr Fahrzeuge in Zuffenhausen bauen können“, teilte der Konzern mit.

Im Gegenzug hat der Vorstand entschieden, an den drei Standorten in den kommenden fünf Jahren insgesamt mehr als 600 Millionen Euro zu investieren. In Zuffenhausen würden auch in Zukunft alle Fahrzeuge der Baureihe 911 produziert, sowie auch alle Porsche-Motoren für derzeitige und künftige Modelle. Zudem soll langfristig in eine neue Lackiererei in Zuffenhausen investiert werden. Porsche sagte auch zu, weiterhin 100 Ausbildungsplätze pro Jahr anzubieten. Die Vereinbarung bei Porsche läuft bis Ende Juli 2010. Sie gilt für alle Mitarbeiter an den Standorten Zuffenhausen (4800 Mitarbeiter), Ludwigsburg (700) und Weissach (2800).

„Mit dieser Vereinbarung zeigen wir, dass wir es ernst meinen mit dem Standort Deutschland und der sozialen Verantwortung für unsere Belegschaft“, sagte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Uwe Hück, sagte, die „Vereinbarung kann sich sehen lassen“.

Der Linde-Konzern seinerseits wird bei seiner Gabelstaplermarke „Linde“ vorerst auf eine Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Osteuropa verzichten. Das Wiesbadener Unternehmen hat mit den Belegschaftsvertretern eine Sicherung der hiesigen Produktionsstandorte vereinbart. Im Gegenzug akzeptieren die 3500 in Deutschland betroffenen Beschäftigten Einbußen bei ihren Entgelten. Das Sparprogramm werde schrittweise wirksam und das Ergebnis der Sparte jährlich im „deutlich zweistelligen Millionenbereich“ erhöhen, teilte Linde am Freitag mit. Konzern-Chef Wolfgang Reitzle hatte jüngst angekündigt, den Aufbau eines großen Staplerwerks in Osteuropa zu prüfen. Die Vereinbarung zur Standortsicherung bei der Marke Linde gilt bis Mitte 2011. Den Beschäftigten werden Zuschläge für Überstunden und überbetriebliche Leistungen gekürzt. Zudem würden einige Lohnbestandteile künftig vom Ergebnis des Konzerns abhängig gemacht und die Arbeitszeit erhöht, hieß es. Linde hat in seiner Gabelstaplersparte weltweit rund 18000 Beschäftigte, bei der Stapler-Marke Linde sind es 11500.

„Solche Bündnisse sind ein Mittel, um den Abbau von Jobs in Deutschland zu vermeiden“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank. „Sie sind jedoch ein defensives Instrument. Sie leisten keinen Beitrag dazu, das größte Problem zu lösen: dass in Deutschland nicht genügend neue Arbeitsplätze geschaffen werden.“ Von einer Erpressung der Beschäftigten, denen von ihren Konzernleitungen immer öfter mit der Verlagerung ihrer Stellen Richtung Osten gedroht wird, will Krämer nicht sprechen. „Aber es ist eine klare Sache: Die Verhandlungsmacht der Arbeitgeber ist gestiegen.“

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