Porsche und Volkswagen : "Die Zeit der Weicheier ist vorbei"

Der Machtkampf zwischen den Betriebsräten von Volkswagen und Porsche spitzt sich zu - ein Kompromiss im Streit um eine gleichberechtigte Mitbestimmung ist nicht in Sicht. Für eine Info-Veranstaltung wollen die VW-Mitarbeiter die Produktion lahmlegen.

Eva Tasche,Frank Heidmann
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Porsche-Betriebsratschef Jürgen Hück läutet das Ende des Kuschelkurses ein. -Foto: ddp

Wolfsburg/StuttgartDer Machtkampf spitzt sich zu - ein Kompromiss ist nicht in Sicht. Seit Wochen liegen die mächtigen Betriebsratsbosse von VW und Porsche im Clinch um die Mitbestimmung in einem künftigen Großkonzern Porsche/VW. Inzwischen ist so viel Porzellan zerschlagen, dass eine einvernehmliche Lösung kaum noch absehbar ist. Der VW-Betriebsrat will nun am Mittwoch die Produktion in den sechs westdeutschen Werken für jeweils eine Stunde stoppen, um die Kollegen zu informieren. Es gehe aber "keinesfalls um Protestveranstaltungen", bemüht sich Vize-VW-Betriebsratschef Bernd Wehlauer noch um Deeskalation. Aber die VW-Arbeiter haben Wut im Bauch. Und die Auseinandersetzung erreicht jetzt eine neue Stufe.

Grund für den erbitterten Schlagabtausch ist die neue Mitbestimmungsvereinbarung für die geplante neue Porsche Holding SE. VW wird eine Tochter dieser europäischen Aktiengesellschaft sein, wenn Porsche demnächst die Mehrheit in Wolfsburg übernehmen sollte, was alle nach dem Fall des VW-Gesetzes in der vorigen Woche erwarten. Eine Vereinbarung über die Mitbestimmung in der neuen Struktur aber handelte das Porsche-Management um Vorstandschef Wendelin Wiedeking mit seinem Betriebsratschef Uwe Hück und IG Metall-Vertretern allein aus. Der VW-Betriebsrat blieb außen vor. Die knapp 325.000 VW-Werker sollen im Aufsichtsrat der Holding ebenso drei Sitze haben wie die 11.400 Porsche-Leute. Und ein Veto-Recht gebe es nur für die Porsche-Belegschaft, monieren die Wolfsburger.

Krach dauert an

"Dass der VW-Konzernbetriebsrat eine solche Entscheidung nicht tolerieren kann, kann sich jeder an fünf Fingern ausrechnen", sagt IG Metall-Chef Jürgen Peters. Von einem "Desaster" sprach er am Wochenende in einem Magazinbericht. Peters stellte sich an die Seite von VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Die Vorgänge seien auch mit seinem Demokratieverständnis nicht vereinbar. Aber da war das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Er habe erst spät davon erfahren, bedauert Peters. Die IG Metall-Zentrale versuchte die Kontrahenten wieder an einen Tisch zu bringen.

Wie die Kuh vom Eis gebracht werden kann, war aber auch nach dieser Runde nicht erkennbar. "Wir haben heute in drei Stunden alle Konfliktpunkte angesprochen, analysiert und schließlich verabredet, dass wir sie in weiteren Gesprächen ausräumen wollen," sagte der designierte Gewerkschaftschef Berthold Huber, was im Klartext bedeutet, dass der Krach anhält.

Uwe Hück, der oberste Arbeitnehmervertreter bei Porsche und ehemaliger Profi-Thaiboxer, zeigte sich in den letzten Tagen keineswegs zum Einlenken bereit. "Die Zeit der Weicheier ist vorbei", tönte Hück noch am Wochenende in einer Sonntagszeitung. Diese harte Linie dürfte von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking mit Wohlgefallen betrachtet werden. Der ist ohnehin mächtig sauer über die geplanten Aktionen in den VW-Werken, obwohl er derzeit in Urlaub ist, war zu erfahren. Wenn es nach Wiedeking geht, kommt irgendeine Art der Nachverhandlung ohnehin nicht in Frage, sagen Porsche-Insider. Wiedeking macht immer wieder deutlich, dass es sich bei der geplanten Übernahme der Mehrheit bei VW in der Tat um eine Übernahme und nicht um irgendeine Fusion handelt. Damit sei auch klar, wer das Sagen habe, heißt es.

Porsche-Chef in Rage

Schon beim Hören des Wortes Co-Manager für das Mitwirken der Betriebsräte bekomme der Porsche-Chef mittlere Wutanfälle, heißt es unter Hinweis auf die bislang in Wolfsburg gepflegten Usancen. Allerdings gibt es auch Signale in Richtung der VW-Belegschaft. Seht her, wie wir es in Stuttgart gemacht haben, lautet die Botschaft. Wiedeking garantiere Vollbeschäftigung, ausgelastete Werke - und auch gutes Geld für die Belegschaft, wenn ordentlich verdient wird. Die Porsche-Mitarbeiter konnten sich in diesem Jahr neben ihren 13,8 Gehältern über eine Prämie von 5200 Euro freuen, was auf den Monat umgerechnet kein schlechtes Zubrot sei, wird betont.

Die IG Metall versucht nun, den Konflikt so geräuschlos wie möglich zu lösen - und für alle Beteiligten gesichtswahrend. Denn sonst werden sie sich alle wohl vor Gericht wiedertreffen. Osterloh ist jedenfalls felsenfest entschlossen, sich mit allen Mitteln zu wehren und auf einer angemessenen Beteiligung der VW-Arbeiter zu beharren. Notfalls will er das auch vor Gericht durchsetzen.

Die Niederlage vor dem Arbeitsgericht in Ludwigsburg in der vergangenen Woche in dem Mitbestimmungsstreit sei kein Grund aufzugeben, argumentiert er. Denn dabei ging es ja nur um eine einstweilige Verfügung - und da wird entschieden, ohne inhaltliche Gründe zu prüfen. Generell hat der VW- Betriebsrat den Einstieg der Stuttgarter Sportwagenschmiede dabei stets begrüßt. Ein Familienunternehmen sei doch allemal besser als eine "Heuschrecke" - ein allein auf Rendite fixierter Finanzinvestor, so das Argument. Doch jetzt lodert Feuer unterm Dach. (mit dpa)

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