Porsche vs VW : Das Milliardenspiel

Am Mittwoch wollen die Familien Porsche und Piëch über die Zukunft von VW entscheiden . Der Porsche-Chef Wiedeking gerät dabei zunehmend unter Druck.

Alfons Frese
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Alles bestens? Porsche-Chef Wendelin Wiedeking (li.) mit Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche am Wochenende beim Tennis. Foto: dpa

Berlin - Ein VW-Aufsichtsrat bringt seinen Argwohn auf den Punkt. „Die beiden anderen haben Wolfgang Porsche voll im Griff.“ Die beiden anderen, das sind die Gegner, die Feinde von VW-Chef Martin Winterkorn und VW-Aufsichtsrat Ferdinand Piëch. Die beiden anderen, das sind Wendelin Wiedeking und Holger Härter. Dieses Duo an der Porsche-Spitze hat mit der trickreichen Übernahme von Volkswagen Geschichte geschrieben. Allerdings ist offen, wie die ausgeht. Zumindest bis zum kommenden Mittwoch. Dann trifft sich eine Handvoll Personen, um über die Zukunft von VW und Porsche, von Wiedeking und Härter zu entscheiden. Die Schlüsselfigur dabei ist Wolfgang Porsche. Der Enkel des Käferkonstrukteurs Ferdinand Porsche ist Sprecher des Porsche-Familienzweigs.

Ihm gegenüber sitzt sein Vetter Ferdinand Piëch, Sohn von Louise, der Tochter Ferdinand Porsches, und des Anwalts Anton Piëch. Ein Familientreffen der Piëchs bestimmt also die Zukunft von Europas größtem Autohersteller. Man weiß, was man aneinander hat. Er sei immer überzeugt gewesen, überall bestehen zu können, hat Piëch einmal gesagt. Nur bei den eigenen Verwandten habe er bisweilen Zweifel gehabt.

Die Ausgangslage ist auf den ersten Blick einfach. Piëch, der langjährige VW-Vorstandschef und noch immer amtierende Aufsichtsratsvorsitzende, plädiert für eine Übernahme von Porsche durch VW. Mit dem Kaufpreis könnte Porsche seine Schulden zahlen, die Porsches und Piëchs behielten den entscheidenden Einfluss auf VW und Porsche, und schließlich wären Wiedeking und Härter weg. Piëch will die rauswerfen, weil sie gegenüber dem VW-Management und -Betriebsrat teilweise rüde auftraten, weil sie sich übernahmen bei der Übernahme von VW und weil er sie gerne durch seine Vertrauten, VW-Chef Winterkorn und VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch, ersetzen möchte.

Wolfgang Porsche hält zu Wiedeking und hat gerade bekräftigt, dass „die Porsche AG nicht an Volkswagen verkauft wird“. Wolfgangs Wort hat Gewicht, denn sein Familienstamm hält etwas mehr als 50 Prozent an Porsche, die Piëchs liegen ein paar Prozente darunter. Sprecher der Piëchs ist übrigens nicht Ferdinand, sondern dessen Bruder Hans Michel. Doch Ferdinand weiß, wie Politik geht: eiskalt, geduldig auf den richtigen Moment warten könnend, unberechenbar und immer etwas paranoid. Vor ein paar Jahren hat er dem Hannoveraner Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) gezeigt, wo der Hammer hängt, als der gemeinsam mit dem damaligen VW-Chef Bernd Pischetsrieder den Aufsichtsratsvorsitzenden Piëch killen wollte. Pischetsrieder flog später raus, Wulff wurde brav. Doch der Niedersachse ist wichtig. Denn auf Grundlage des VW-Gesetzes hat das Bundesland mit einem Anteil von rund 20 Prozent an VW eine Sperrminorität. Porsche-Boss Wiedeking hatte auf die EU gehofft, die das VW-Gesetz zu Fall bringen sollte. Dann hätte Porsche über das Instrument eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags Zugriff auf die Kasse in Wolfsburg gehabt – und die mehr als zehn Milliarden Euro Schulden schultern können, die wegen der Übernahme von gut 50 Prozent an VW aufgelaufen sind.

Weil das VW-Gesetz Bestand hat und weil sich Wiedeking und Härter verzockt haben, mussten sie das ursprüngliche Ziel der Übernahme von 75 Prozent an VW bereits aufgegeben. An die VW-Kasse will Wiedeking jetzt mit Hilfe einer Fusion der beiden Firmen kommen. „Das kommt überhaupt nicht infrage“, sagt ein VW-Aufsichtsrat. „Wieso sollten wir deren Schuldenberg übernehmen?“

Auch das VW-Gesetz würde vermutlich seine Gültigkeit verlieren, weil ja ein neues Unternehmen entstünde. Alles in allem, meint der Aufsichtsrat, der anonym bleiben will, „könnte VW selbst fallen“. Weil eben niemand genau wisse, mit welchen Optionen Wiedeking und Härter noch am Kapitalmarkt spekulierten. Spätestens Mitte des Jahres, wenn Porsche wieder neue Kredite brauche, könne die Lage prekär werden für Porsche. Spätestens dann hätte Piëch die besseren Argumente gegenüber seinem Vetter. Vermutlich wird es also am Mittwoch noch keinen Kompromiss geben.

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