Portal für Haushaltsdienste : Wirtschaft wundert sich über Putzhilfe auf Staatskosten

Die Regierung will Haushaltshilfen für Eltern und Alte vermitteln. Notwendig ist das wohl nicht - zumal das Internetportal aus Steuergeldern bezahlt wird.

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Geputzt werden muss immer: Das Reinigungsgewerbe setzt in Deutschland jährlich rund 13 Milliarden Euro um.
Geputzt werden muss immer: Das Reinigungsgewerbe setzt in Deutschland jährlich rund 13 Milliarden Euro um.Foto: picture alliance / dpa

Als diplomierte Finanzwirtin müsste sich Manuela Schwesig (SPD) eigentlich damit auskennen, wie man sein Geld zusammenhält. Zumal, wenn es sich dabei im engeren Sinne nicht um das eigene Geld, sondern um Steuereinnahmen handelt. Eine sinnvolle Strategie könnte es zum Beispiel sein, überflüssige Ausgaben zu vermeiden. Dass die Bundesfamilienministerin dieser Maxime folgt, bezweifelt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführers des IT-Branchenverbands Bitkom. „Ein öffentlich gefördertes Bundesprojekt ist völlig überflüssig“, lautet sein eindeutiges Urteil zum kürzlich vom Ministerium angekündigten Internetportal für Haushaltshilfen.

Der Plan: Vom kommenden Jahr an, sollen sich Menschen auf der Suche nach Haushaltshilfen oder Putzkräften für die private Wohnung auf einem speziellen Vermittlungsportal im Internet informieren können. Ziel sei es, Eltern zu entlasten und bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen, heißt es dazu aus dem Ministerium. Die Initiative gehe auf eine Passage im Koalitionsvertrag zurück, erläuterte eine Sprecherin auf Anfrage. Im Kapitel vier – „Zusammenhalt der Gesellschaft“ – kündigen die Koalitionäre dort den Aufbau eines solchen Portals an.

Der Haken: So hilfreich die Idee erscheinen mag, der Staat hat sie keineswegs erfunden. Im Gegenteil. Inzwischen gibt es eine Reihe von Anbietern im Internet. Die Plattformen vermitteln Reinigungskräfte zu Stundensätzen zwischen zehn und 15 Euro. Allein in Berlin gibt es drei Start-ups: Helpling, Clean Agents und Book a Tiger versprechen eine einfache, schnell buchbare und kostengünstige Vermittlung von legalen Reinigungskräften. Für die Reinigungskräfte wiederum werben sie mit vielen Jobmöglichkeiten bei fairer Bezahlung.

90 Prozent der Dienstleistungen gehen am Fiskus vorbei

Das Reinigungsgewerbe berge mit einem Umsatz von mehr als 13 Milliarden Euro allein in Deutschland ein sehr großes Geschäftspotenzial, sagt etwa Benedikt Franke, Mitgründer und Geschäftsführer von Helpling. Rund vier Millionen Privathaushalte in Deutschland nähmen regelmäßig Putzhilfen in Anspruch, davon seien jedoch nur fünf Prozent bei der Minijobzentrale angemeldet. „Wir freuen uns, dass die Bundesregierung die Aufmerksamkeit auf das Problem der Schwarzarbeit lenkt“, sagt Franke im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Bis zu 90 Prozent haushaltsnaher Dienstleistungen würden derzeit auf dem Schwarzmarkt erbracht, heißt es im Ministerium. „Aber der Staat sollte sich eher damit beschäftigen, die Rahmenbedingungen für legale Beschäftigung zu verbessern, als ein eigenes Angebot zu schaffen“, mahnt Franke.

Und an den Rahmenbedingungen gebe es viel zu verbessern. „Bei Helpling dauert es 60 Sekunden, eine Reinigungskraft zu buchen“, sagt Franke. „Für Privatleute ist der administrative Aufwand, eine Haushaltshilfe legal zu beschäftigen, aber immer noch zu groß.“ Der Anreiz, 20 Prozent der Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen direkt von der Steuer abziehen zu können, sei dagegen zu gering. In Frankreich oder Schweden zum Beispiel, könnten 50 Prozent der Kosten von der Steuer abgezogen werden. Das bringe auch den Reinigungskräften ein höheres Einkommen – und biete somit weniger Anreiz zur Schwarzarbeit.

Das Ministerium schweigt zu den Kosten

Der Bitkom verweist auf den Erfolg der privatwirtschaftlichen Angebote. Den Start-ups sei es gelungen, Investoren für ihre Projekte zu gewinnen, sagt Bernhard Rohleder. „Eine aus Steuermitteln finanzierte bundeseigene Plattform würde hier in einen gerade wachsenden Markt eingreifen“. Es sei erfreulich, wenn Bund, Länder und öffentliche Verwaltung Angebote für Bürger im Internet machen. „Aber dabei muss immer der Grundsatz gelten: Leistungen, die privatwirtschaftlich durch Unternehmen im Wettbewerb erbracht werden können, sollten nicht durch Steuermittel finanziert werden.“

Das Familienministerium will sich nicht zu Umfang der Finanzierung und Kosten des neuen Portals äußern. Bei Helpling sieht man der staatlichen Konkurrenz gelassen entgegen. „Der Planungshorizont im Bundesfamilienministerium sieht einen Start wohl erst 2015 vor“, sagt Franke. „Da haben wir, glaube ich, das Problem schon gelöst.“

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