Porträt : Michael Macht hat Rückendeckung und Stallgeruch

Porsche-Produktionschef Michael Macht folgt auf Wendelin Wiedeking. Für Wiedeking war Macht ein Ziehsohn und langjähriger Begleiter. Doch bisher stand er nie in der ersten Reihe.

Stuttgart - Die Entscheidung für Michael Macht passt in die Richtung, die Porsche vor 17 Jahren einschlug. Auch Wendelin Wiedeking war vor seinem Amtsantritt 1992 Produktionschef und ein bis dahin unbeschriebenes Blatt. Über die Jahre stieg dessen Ansehen und vor allem die Höhe seiner Vergütung. Im vergangenen Geschäftsjahr bekam der Vorstand insgesamt 143 Millionen Euro. Diese Dimensionen sind nach dem „Macht-Wechsel“ vorbei.

Der neue Chef steht vor einer ebenso schwierigen wie delikaten Aufgabe. Der 48-Jährige muss nicht nur in der schwersten Branchenkrise seit Jahrzehnten die stolze Marke Porsche unter dem Dach des VW-Konzerns integrieren und pflegen – er muss vor allem viel zerschlagenes Porzellan kitten. Denn nicht nur die VW-Elite wird sorgsam beobachten, was Macht in Stuttgart-Zuffenhausen für Wege geht. Auch die tief verletzte Belegschaft von Porsche, die unter Betriebsratschef Uwe Hück bis zuletzt gegen eine Übernahme gekämpft hatte, muss Macht auf Versöhnungskurs bringen und für sich gewinnen. „Der neue Porsche-Chef muss vor allem vermitteln“, glauben Berater. Dafür bringt Macht nicht die schlechtesten Voraussetzungen mit. Zum einen genießt er Respekt und Rückendeckung aus Wolfsburg, zum anderen hat er den nötigen Stallgeruch. Die VW-Spitze, so heißt es, hält große Stücke auf den gebürtigen Cannstatter. Über die Zusammenarbeit beim Porsche Cayenne gebe es schon lange Kontakte zwischen dem Produktions-Profi in Stuttgart und den Granden in Wolfsburg. „Auf Management-Ebene läuft die Zusammenarbeit hervorragend“, vertraute Macht erst vor kurzem dem „Handelsblatt“ an. Bei der Stuttgarter Belegschaft gilt Macht als einer von ihnen. Seine gesamte Laufbahn verbrachte er bei Porsche. Man schätzt ihn für seine sachliche Art.

Für Wiedeking war Macht ein Ziehsohn und langjähriger Begleiter – entsprechend herzlich fällt die Umarmung der beiden bei der Betriebsversammlung am Donnerstag aus. Wiedeking nahm den Maschinenbauingenieur einst mit nach Japan, um bei Toyota im Crashkurs die „schlanke Produktion“ zu lernen. Danach gehört Macht als Wiedekings Referent zur Kerntruppe, die in wenigen Wochen die Zuffenhausener Produktion nach japanischen Methoden umkrempelt. 1998 macht Wiedeking Macht zum Produktionschef. In der Öffentlichkeit bleibt er weitgehend unbekannt. Das ist gewollt, denn in der Ära Wiedeking sollte niemand strahlen, außer dem Chef selbst.

Michael Macht stand bisher nie in der ersten Reihe. Als Anfang März dieses Jahres der Sportwagenbauer beim Genfer Automobilsalon zum Abendessen lädt, bleibt Macht im Hintergrund und überlässt den anderen Vorständen die Bühne. Das wird in Zukunft anders sein. HB

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