Wirtschaft : Portugal büßt für schlechte Noten

Ratingagenturen erzwingen hohe Anleihezinsen

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Steiler Weg.
Steiler Weg.Foto: AFP

Berlin - Portugal muss angesichts des zunehmenden Drucks der Ratingagenturen am Finanzmarkt immer höhere Zinsen zahlen. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen stieg am Montag auf Rekordwerte von mehr als acht Prozent. Für Anleihen mit Laufzeiten von fünf Jahren verlangten Investoren sogar bis zu 8,7 Prozent, bei zwei Jahren waren es immer noch 7,3 Prozent. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hatte zuvor die Noten von fünf portugiesischen Banken gesenkt und damit den Druck auf die Regierung in Lissabon erhöht, internationale Finanzhilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Ratingagentur Moody’s hatte die Kreditwürdigkeit des Landes bereits um zwei Noten auf die Stufe A3 herabgestuft und eine weitere Rückstufung nicht ausgeschlossen. Zuvor hatte Moody’s Spanien auf die Note AA1 gesetzt. Die Sanierung der Banken werde die Regierung mehr kosten als bisher bekannt, hieß es. Wirtschaftsministerin Elena Salgado beklagte, die Agentur hätte die Sanierungspläne der Regierung gar nicht berücksichtigt.

Die Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Staaten oder Wertpapieren und vergeben dafür Noten. Doch in der Finanzkrise sind die Agenturen in Verruf geraten: Sie hatten verbriefte Immobilienkredite mit Topnoten versehen, obwohl die Darlehen stark ausfallgefährdet waren. „Die Ratingagenturen haben eine massive Rolle beim Entstehen der internationalen Finanzmarktkrise gespielt“, sagt Mechthild Schrooten, Forschungsprofessorin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Kritisiert wird vor allem das Geschäftsmodell: Die Agenturen lassen sich von den Herausgebern der Wertpapiere bezahlen, die sie anschließend bewerten. „Die Institute haben offensichtlich interessengeleitet gehandelt“, sagt Schrooten. Auch in der europäischen Staatsschuldenkrise hätten die Agenturen nicht immer objektiv geurteilt. Zwar nehmen sie für ihre Noten kein Geld von den Staaten. Doch: „Da spielen auch geografische Interessen eine Rolle“, sagt Schrooten. Die großen Agenturen sitzen alle in den USA.

„Die Ratingagenturen bewegen die Märkte nicht“, sagt hingegen Christoph Weil, Analyst bei der Commerzbank, und rechnet vor: Für einjährige griechische Staatsanleihen müsse das Land derzeit mehr als 13 Prozent Zinsen zahlen. „Das heißt, dass der Markt fest damit rechnet, dass es zu einer Umschuldung kommt“, sagt Weil. In den Ratings der großen Agenturen aber sei diese Annahme gar nicht enthalten. „Griechenland bekommt immer noch B-Noten. Die sind also noch relativ optimistisch“, sagt Weil.

Wie viel Macht die Agenturen dennoch haben, zeigt die Aufregung, die derzeit bei den deutschen Banken herrscht. Standard & Poor’s hat angekündigt, das Rating der Finanzinstitute mit einer nationalen Komponente zu versehen. Die Deutschen kämen hier im Vergleich zu der Konkurrenz aus Spanien oder Frankreich schlecht weg, sagt Bernd Brabänder, Chefvolkswirt beim Bankenverband. Das sei ungerechtfertigt und ärgerlich, weil die meisten Banken durch die neuen Eigenkapitalvorschriften gezwungen seien, Geld am Markt aufzunehmen. Je schlechter ihr Rating, desto mehr müssten sie dafür bezahlen. „Wir befürchten, dass die deutschen Kreditinstitute im internationalen Vergleich mit einem Malus versehen werden“, sagt Brabänder. Miriam Schröder

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