Wirtschaft : Portugal exportiert Maastricht-Modell

THOMAS FISCHER

Konvergenz mit Exkolonie in Westafrika nach EU-Vorbild / Währung von Cabo Verde konvertierbarVON THOMAS FISCHER LISSABON.Das Euro-Startland Portugal "exportiert" das Maastrichter Modell für die nominale Konvergenz in seine frühere Kolonie Cabo Verde, eine winzige Inselrepublik vor der Küste Westafrikas.Ihre Währung soll an den portugiesischen Escudo - und damit bald an den Euro - gekoppelt werden.Ein Stabilitätskurs soll für das internationale Vertrauen sorgen. Vertreter der Regierungen beider Länder unterschrieben kürzlich in Praia, der Hauptstadt der Kapverdischen Inseln, ein entsprechendes Abkommen.Es soll zunächst vier Jahre gelten und sieht die Konvertierbarkeit des Escudo von Cabo Verde (CVE) mit fester Parität vor.So öffnen sich in Portugal und in Europa Türen für den seit 1975 unabhängigen Mini-Staat mit einer Fläche von 4033 Quadratkilometern, neun bewohnten Inseln und 370 000 Einwohnern. In dem als "historisch" gefeierten Abkommen geht Portugal aber keine so weitgehenden Verpflichtungen ein wie Frankreich gegenüber den Ländern der CFA-Franc-Zone in Afrika.Wie die Zentralbank (Banco de Portugal) betont, gibt Portugal keine Garantie, den Kurs des kapverdischen Escudo zu stützen.Einige flankierende Maßnahmen sollen aber den Wechselkurs glaubwürdig machen.So verpflichtet sich Cabo Verde zu einem Kurs der nominalen Konvergenz.Genaue Zielwerte für die Inflation von fast 9 Prozent (1997) oder für das Haushaltsdefizit, das 1996 bei 8,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) lag, wurden aber nicht bekannt.Um die Devisenreserven bei Bedarf zu stärken, öffnet Portugal eine Kreditlinie über 9 Mrd.portugiesische Escudos (rund 88 Mill.DM). Mit dem Währungsabkommen gewinnt Portugal Einfluß in Cabo Verde.Nicht ganz unbesorgt sah man in Lissabon in letzter Zeit eine Annäherung der Inselrepublik an die francophonen Staaten auf dem Festland.Immerhin kommen aus Portugal aber über 60 Prozent von Cabo Verdes Importen.In Portugal stellen die Einwanderer aus Cabo Verde - offiziell rund 40 000, die wahre Zahl wird auf über 100 000 geschätzt - die größte nationale Minderheit.Ohne sie läuft auf den Großbaustellen in Lissabon nichts. Gegenüber anderen EU-Staaten versteht sich Portugal als Fürsprecher des Landes, das für afrikanische Verhältnisse relativ gut dasteht - trotz denkbar ungünstiger Bedingungen.Schon das Wasser ist knapp.Im Land mit einer sehr jungen Bevölkerung, die nur wegen der starken Emigration nicht sprunghaft wächst, werden über 80 Prozent der Nahrungsmittel importiert.Und darüber können auch die heimischen Langusten und die saftigen Mangos als kulinarische Argumente für den noch im Aufbau befindlichen Tourismus nicht hinwegtäuschen. Anders als Portugals frühere Kolonien Angola und Mocambique erlebte Cabo Verde aber keinen Befreiungskrieg vor der Unabhängigkeit und keinen Bürgerkrieg danach.Im Jahre 1991 gelang ein friedlicher Übergang vom Ein- zum Mehrparteiensystem.Ein sozialer Friede und ein außenpolitisch neutraler Kurs sicherten internationales Wohlwollen.Vor allem dank großzügiger Entwicklungshilfe aus der Bundesrepublik Deutschland und der Ex-DDR, aus den USA, der früheren Sowjetunion, Rußland, China, Frankreich, Holland, Kuba, Italien und Portugal blieb dem Land der Kollaps erspart.Cabo Verdes BIP lag 1996 bei 426 Mill.Dollar, die Wachstumsrate schwankte in den letzten Jahren zwischen 3,3 Prozent (1992) und 4,8 Prozent (1995).Unterdessen sind die Importe des Landes nur zu 6 Prozent durch Ausfuhren gedeckt.Allein die Auslandshilfe und die Remisen der Emigranten halten die Zahlungsbilanz im Lot. In der Wirtschaft hatte bisher vor allem der Staat das Sagen, die Regierung ist aber um mehr Marktwirtschaft bemüht.Schon 1995 verkaufte sie einen 40prozentigen Anteil an der Telefongesellschaft Cabo Verde Telecom an die Portugal Telecom.1997 stiegen Partner aus Portugal und Angola bei der Ölgesellschaft Enacol ein.Nun sind Privatisierungen im Finanzsektor im Gespräch.

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