Wirtschaft : PORTUGAL UND SPANIEN

Die Spanier sind alarmiert. Der Tourismus, der bislang trotz Krise brummte, schwächelt. Die Zahl der ausländischen Urlauber ist im ersten Halbjahr 2012 nur noch leicht gewachsen, stagniert auf Mallorca und den Kanarischen Inseln sogar. Nur die Reiselust der Deutschen (plus sechs Prozent in 2012), der Schweizer (plus 14 Prozent) und der Russen (plus 40 Prozent) rettet die spanische Reisewirtschaft derzeit vor größerem Schaden. Die Spanier selbst verzichten eher auf den Urlaub im eigenen Land – jeder Zweite bleibt dieses Jahr in den Ferien zu Hause. Massenarbeitslosigkeit, Lohnkürzungen und Steuererhöhungen sorgen dafür, dass sich immer weniger von ihnen einen Urlaub leisten können. Nach Angaben des spanischen Hotelverbandes Cehat sind die Buchungen der Spanier gegenüber 2011 fast um ein Drittel zurückgegangen. Auch sieht sich die Tourismuswirtschaft durch staatliche Spar- und Steuerpläne geschädigt. Spaniens Flughafengesellschaft Aena kassiert zum Beispiel seit Juli von den Airlines höhere Airport-Gebühren: im Schnitt knapp 20 Prozent mehr, auf den Drehkreuzen Barcelona und Madrid sogar 50 Prozent. Die Fluglinien wollen die Extrakosten nun auf die Passagiere umlegen, die mit höheren Ticketpreisen rechnen müssen. Wenn die spanische Regierung auch noch mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer Ernst mache, die derzeit für viele Tourismusleistungen bei einem stark reduzierten Satz von acht Prozent liegt, werde die Lage „dramatisch“, warnt der spanische Hotelierverband. Dabei ist der Tourismus eine der wichtigsten Wirtschaftssäulen des Landes – er steht für gut zehn Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung. Im benachbarten Krisenland Portugal, wo das Tourismusgeschäft ähnlich wichtig ist, sieht die Lage kaum anders aus. Die knapp elf Millionen Portugiesen, die unter der sich verschärfenden Jobkrise und einem harten Sparkurs der Regierung leiden, fahren weniger in Urlaub. Dagegen ist die Zahl der ausländischen Urlauber noch einigermaßen stabil und könnte sich im laufenden Jahr, wie schon 2011, auf etwa 7,5 Millionen Besucher summieren. Die Zahl der Deutschen, die nach Portugal reisen, steigt sogar – sie machen derzeit gut zehn Prozent der Urlauber aus. Am liebsten fahren sie an die Algarve-Küste. Ralph Schulze

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