POSITION : Geld gewinnt die EM

4 : 0 für die Marktwertmethode.

Gert G. Wagner
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Am Ende der Fußball-EM hält das teuerste Team den Pokal in den Händen – wieder einmal. Auch in fast allen Vorrundengruppen- und Finalspielen haben sich die Mannschaften durchgesetzt, die den höheren Marktwert haben. Mit der Marktwertmethode konnte bei allen WM- und EM-Turnieren seit 2006 der Sieger richtig prognostiziert werden.

Die Leistung eines Fußballprofis lässt sich an seinem Transferwert auf dem Spielermarkt ablesen. Je höher der Marktwert ausfällt, umso größer sind die Erwartungen an das Leistungsvermögen eines Spielers. Der Wert einer ganzen Mannschaft lässt sich als Summe der Marktwerte der einzelnen Spieler berechnen. Wir hatten mithilfe der Marktwerte der EM-Teams den Verlauf der Europameisterschaft prognostiziert (Tagesspiegel vom 31. Mai 2012). Nach dieser Logik sollten sich in den einzelnen Gruppen jene Mannschaften durchsetzen, die den höchsten Marktwert haben. Und auch den EM-Sieger konnten wir so voraussagen: Mit einem Gesamtwert von 658 Millionen Euro lag das spanische Team weit vor der Konkurrenz.

Schon in der Vorrunde sind größere Überraschungen ausgeblieben. Nur in Gruppe A hat sich Griechenland (Marktwert 84 Millionen) statt Russland (162 Millionen) durchgesetzt. Von den 24 Spielpaarungen der Vorrunde wurden nur vier Begegnungen von den Teams mit dem geringeren Marktwert gewonnen.

Die Prognose von Spielen nach der Gruppenphase ist allerdings deutlich schwieriger. Zum einen wird im K.O.-System gespielt, so dass Kleinigkeiten das Aus bedeuten und nicht im nächsten Spiel kompensiert werden können. Zum anderen liegen die Marktwerte der verbliebenen Teams näher beieinander, die Mannschaften sind also leistungshomogener. Dennoch haben sich auch hier in fünf von sieben Finalspielen die Teams mit dem höheren Marktwert durchgesetzt. Eines der beiden Spiele, bei dem die Marktwertmethode nicht funktioniert hat, war das Spiel Deutschland gegen Italien. Nach unserer Prognose hätte Deutschland ins Endspiel kommen müssen.

Bereits zum vierten Mal in Folge ist es uns gelungen, mit Spanien den Sieger eines EM- oder WM-Turniers vorherzusagen. Im Grundsatz stimmt der Satz also: „Geld schießt Tore“. Trotz der bitteren Niederlage gegen Italien dürfte der jungen deutschen Mannschaft aber die Zukunft gehören. Würden Xavi, Iniesta und Xabi Alonso zur WM 2014 altersbedingt nicht mehr für Spanien spielen, könnte die DFB-Auswahl durchaus das teuerste Team stellen.

Der Autor ist Vorstandsvorsitzender des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Mitautoren waren Jürgen Gerhards, Professor für Soziologie an der FU Berlin, und Michael Mutz, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FU Berlin.

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