Position : Strom aus Sonnenlicht

Strom aus Sonnenlicht Solarthermie ist bereits erprobt - doch die Initiative Desertec muss noch viele Probleme lösen, meint Fritz Vahrenholt, Geschäftsführer der RWE Innogy.

Fritz Vahrenholt

Zwölf überwiegend deutsche Konzerne haben eine Initiative vereinbart, um zu untersuchen, unter welchen Bedingungen in Nordafrika und dem Nahen Osten Strom aus Sonnenlicht erzeugt und nach Europa exportiert werden kann. Dabei geht es um die Solarthermie, eine bereits erprobte Technologie. Erst kürzlich gaben drei deutsche Versorger (Stadtwerke München, RWE und RheinEnergie) bekannt, dass sie sich an einem 50-Megawatt-Kraftwerk beteiligen, welches in zwei Jahren in Betrieb gehen soll. Was Versorger und Politiker für diese Technik gleichermaßen begeistert, ist die Fähigkeit, auch nachts, wenn die Sonne längst untergegangen ist, Strom zu erzeugen. Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber der Fotovoltaik.

Insofern war es nicht unerwartet, dass sich Hersteller von Fotovoltaikanlagen abschätzig über die Desertec-Initiative äußern. Denn es steht zu befürchten, dass die Förderung der Fotovoltaik in kein gutes Licht gerät. Immerhin zwei Milliarden Euro zahlen deutsche Stromkunden pro Jahr zur Unterstützung von Fotovoltaik- dächern. Und das bei einem sehr geringen Beitrag von 0,6 Prozent zur Stromversorgung. Da hört sich die Zielgröße 15 Prozent der Desertec-Initiative ganz anders an. Bis es jedoch dazu kommt, müssen wir eine Reihe von Fragen beantworten.

Derzeit liegen die Kosten der solarthermischen Stromerzeugung bei rund 25 Cent je Kilowattstunde. Es muss uns gelingen, diesen Wert weit mehr als zu halbieren, um wettbewerbsfähig zu sein. Zudem bedarf es aktiver Unterstützung der nordafrikanischen Staaten. Daher empfehle ich, die ersten Tausende von Megawatt für die Versorgung des dort stark wachsenden Eigenbedarfes vorzusehen. Nordafrika und der Nahe Osten haben eine installierte Leistung von rund 100 000 Megawatt, etwa so viel wie Deutschland. Der Anteil erneuerbarer Energien ist nahe Null. Ziel könnte zunächst sein, die solaren Kapazitäten für die eigene Versorgung zu nutzen und damit zur Erreichung von Klimaschutzzielen beizutragen.

Natürlich ist es legitim, nach der Sicherheit von Investitionen zu fragen. Bislang ist in vielen Staaten eine privatwirtschaftliche Investition von nichtafrikanischen Unternehmen nicht gewollt und sogar verboten. Des Weiteren ist die Importabhängigkeit ein Thema. Jede Leitung hat einen Schalter. Beim Abschalten ist es sofort in weiten Bereichen des Versorgungsgebietes duster. Schon der Wegfall von einigen tausend Megawatt - durch höhere oder bewusste Gewalt - kann zu großen Blackouts führen. Zudem wird das Konsortium sehr genau mögliche Standorte prüfen. Denn wir sprechen über solarthermische Kraftwerke, die in der Regel Millionen Kubikmeter Kühlwasser brauchen. Das ist in der Wüste nicht ganz einfach zu bewerkstelligen.

Die größte Nuss gibt es beim Export über Transportleitungen zu knacken. Der Anspruch, 15 Prozent der europäischen Versorgung aus der Sahara abzudecken, bedeutet, etwa 75 000 Megawatt zu exportieren. Mit herkömmlichen Gleichstromhochspannungsleitungen von 800 Megawatt werden davon knapp 100 benötigt. Nimmt man modernste Leitungen mit bislang 2500 Megawatt Tragfähigkeit, dann sind das immerhin noch 30 Leitungen, die durch Italien und Spanien geführt werden müssen. Dieser neue Typ Hochspannungsleitung ist wegen der Verdreifachung der Kabeldurchschnitte mit deutlich wuchtigeren Masten versehen. Das zu realisieren wird nicht einfach werden.

Doch die überwältigende öffentliche Zustimmung der Initiative macht Mut und gibt Rückenwind. So wichtig es aber ist, die Möglichkeiten des Wüstenstroms auszuloten, es darf nicht davon ablenken, unsere heutigen Schularbeiten zur sicheren, CO2-ärmeren, weniger importabhängigen Energieversorgung zu erledigen.

Der Autor ist Vorsitzender der Geschäftsführung von RWE Innogy.

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