Post : 55 Cent für einen virtuellen Brief

Die Post startet mit der sicheren E-Mail. Der Vorreiter dürfte aber teurer sein als spätere Angebote der Konkurrenz.

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Berlin - Die Post wagt ein Experiment: Sie verlangt für der Versand einer E-Mail 55 Cent und damit exakt so viel wie für einen gewöhnlichen Brief. Post-Chef Frank Appel findet das folgerichtig, denn mit der Einführung des E-Postbriefes – einer sicheren Mail – übertrage die Post sämtlichen Nutzen des physischen Briefes auf die elektronische Welt.

Eine Prognose, wie viel Geschäft die Post mit dem E-Postbrief machen will, wagt Appel nicht. Aber er sehe in dem neuen Produkt eine Riesenchance für den einstigen Monopolisten, der seit langem mit dem rückläufigen Briefgeschäft zu kämpfen hat. In diesem Jahr werde die Post noch die Hälfte ihres Ergebnisses mit dem Briefgeschäft erwirtschaften, sagt Appel.

In den ersten Stunden am Mittwoch haben sich laut Post bereits 30 000 Nutzer eine der neuen Adressen gesichert. Hintergrund für das Angebot ist, dass die normale Mail keine sichere Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden, Unternehmen und Mitarbeitern oder Behörden und Bürgern ermöglicht. Deshalb kann man heute in der Regel per Mail keine Versicherungen abschließen, bei Behörden Anträge stellen oder Gehaltsabrechnungen verschicken. Zwar gibt es die Möglichkeit, Mails zu verschlüsseln und mit einer Signatur zu versehen, um sich als Absender eindeutig zu identifizieren. Bisher sind diese Verfahren jedoch kompliziert und werden nur von wenigen genutzt. Das soll sich ändern.

„Mit dem E-Postbrief bringen wir das Briefgeheimnis ins Internet“, sagt der verantwortliche Postvorstand Jürgen Gerdes. Dieser elektronische Brief, der technisch einer Mail gleicht, soll „genauso verbindlich, vertraulich und verlässlich“ sein wie der herkömmliche Brief auf Papier. Dazu muss man sich als Kunde registrieren und einmal seine Identität feststellen lassen. Das passiert über das herkömmliche Postident-Verfahren. Zum Versand eines E-Postbriefes muss der Kunde sich dann im Internet unter www.epost.de anmelden. Vor dem Absenden erhält er eine Transaktionsnummer per SMS auf das Handy, ähnlich wie heute beim Online-Banking. Anmelden kann sich jeder, der einen deutschen Pass besitzt, über 18 Jahre alt ist und eine deutsche Mobilfunknummer hat.

Noch eine neue Mailadresse, noch ein zusätzliches Passwort – viele Privatnutzer mögen den Aufwand scheuen. Die Post verspricht jedoch, dass künftig immer mehr Anwendungen – zum Beispiel auch andere Mail-Postfächer – in die Plattform integriert werden, so dass sich der Aufwand lohnen könnte. Ganz besonders zahlt sich die schnelle und sichere rein elektronische Kommunikation für Unternehmen aus. Nach Angaben der Post macht das Porto beim Versand eines Briefes nur 30 Prozent der Prozesskosten aus. Viel höher sind also die Kosten etwa für Druck und Kuvertierung, die bei Mails nicht anfallen. Daher hat die Post schon große Interessenten wie etwa die Allianz und den ADAC gefunden, die den E-Postbrief einsetzen wollen.

Die Post ist das erste Unternehmen, das eine sichere Mail-Kommunikation anbietet. Die Internetanbieter Telekom, GMX und Web.de arbeiten noch an ihren Produkten. Hier ist ein Preis zwischen 15 und 20 Cent pro Mail im Gespräch. Die Konkurrenten wollen starten, wenn das De-Mail-Gesetz der Bundesregierung fertig ist, das die Rahmenbedingungen für sicherere E-Mail-Kommunikation festlegt.

„Wir begrüßen, dass die Post die E-Mail sicherer macht als bislang“, sagte ein Sprecher des federführenden Innenministeriums am Mittwoch. Im Ministerium hofft man, dass die Post sich später auch als De-Mail-Anbieter registrieren lässt.

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