Wirtschaft : Post aus Amerika: Das Bier gegen die Flugangst

Sandra Louven

Wie arbeitet man in Amerika und Afrika? Wie legt man Geld in Japan oder Russland an? Fernab von den Nachrichten über Fusionen und das Auf und Ab an der Börse berichten Korrespondenten immer sonntags über die Menschen hinter den Wirtschaftsnachrichten - in Washington, Tokio, Paris, Moskau und Kapstadt.

Besonders die Amerikaner haben nach den Terroranschlägen Angst vor dem Fliegen. Während das den Fluggesellschaften herbe Einnahmeverluste beschert, klingeln anderswo die Kassen: In den Flughafenbars. Dort drängeln sich nach den Attentaten so viele Reisende um das Bierchen gegen die Flugangst, dass oft kaum noch ein Sitzplatz zu haben ist.

Das haben die Gastronomiebetriebe vor allem den erhöhten Sicherheits-Bestimmungen zu verdanken: Seit den Anschlägen können Fluggäste nicht mehr in der Sicherheitszone von ihren Lieben Abschied feiern. Der besorgte Fluggast bleibt also allein zurück - und schaut offenbar umso tiefer ins Glas.

Doch für den starken Durst der Passagiere gibt es noch eine weitere Erklärung: Langeweile. Strengere Sicherheitsvorkehrungen machen es nötig, dass die Fluggäste sich früher als sonst am Flughafen einfinden. Wenn die Kontrollen dann doch zügig vorangehen, haben die Reisenden noch viel Zeit, bis ihr Flugzeug startet - eine Bar bietet da willkommene Ablenkung.

Aber Vorsicht: Stewards und Stewardessen sind angehalten, Trunkenbolden den Zutritt zum Flugzeug zu verwehren. Bislang ist trotz des gestiegenen Alkoholkonsums am Boden aber noch kein Fall bekannt geworden.

Um solche Vorfälle auch in Zukunft zu vermeiden, bietet der Flughafen in Baltimore bei Washington wartenden Kunden eine zusätzliche Abwechslung: An den Schlangen vor der Abfertigung heitern Imitatoren von Madonna, Cher oder Austin Powers genervte Gäste auf. Die meisten Passagiere lassen sich dankbar auf die Spielchen ein, probieren Cowboyhüte an oder schieben die Imitatoren auf ihren Kofferwagen durch den Saal. Einige sind aber auch verärgert. "Meinen die, dadurch fühle ich mich sicherer?", fragt ein Gast. "Die sollten ihre Energie lieber dazu verwenden, die Warteschlangen zu verkürzen." Klingt irgendwie logisch.

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