Wirtschaft : Post aus Amerika: Nur nicht aufgeben

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Wie arbeitet man in Amerika und Afrika, wie legt man Geld in Japan oder Russland an? Fernab von den Nachrichten über Fusionen und das Auf und Ab der Börsen berichten Korrespondenten immer Sonntags über Menschen hinter den Wirtschaftsnachrichten - in Washington, Kapstadt, Tokyo und Moskau.

Die Attentäter der Flugzeuganschläge von New York und Washington haben ihr Ziel verfehlt. Zwar hätten die unmenschlichen Morde an Tausenden unschuldiger Amerikaner nicht schrecklicher ausfallen und die USA kaum empfindlicher treffen können. Eines aber haben sie nicht vermocht: Den amerikanischen Lebensgeist anzugreifen - obwohl genau das ihr Ziel war. Das Land ist nicht gelähmt, die Bevölkerung verbarrikadiert sich nicht angstvoll und mit Schrecken in ihren Wohnungen. Im Gegenteil: Die amerikanischen Bürger üben zivilen Widerstand gegen den unsichtbaren Feind. Nein, das Leben zur Hölle machen lassen, das kommt für die Amerikaner auch jetzt nicht in Frage.

Kaum flimmerten die schockierenden Bilder der Angriffe über die Fernsehschirme, machten sich hunderte Freiwilligen quer durch das Land auf den Weg nach New York, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Vor Krankenhäusern und Notstationen drängelten sich Menschen in langen Schlangen zum Blutspenden. Und auch die zahlreichen Lebensmittelspenden, die am nächsten Tag aus allen Teilen des Landes geschickt wurden und nun vergammeln, weil derartige Mengen gar nicht verwendet werden können, zeugen von der ergreifenden Solidarität.

Und als ob das alles noch nicht genug wäre, rücken die Amerikaner jetzt in trotziger Entschlossenheit näher zusammen: Gut gefüllte Restaurants, belebte Straßencafés und Kinos. Wohin man schaut, American Spirit - Gemeinsam werden wir es schaffen. Wir werden uns nicht einschüchtern lassen.

Eine solche Zivilcourage ist nicht nur beeindruckend, sie könnte die USA und damit letztlich auch die Weltwirtschaft vor den schlimmsten Folgen der Terroranschläge bewahren. Wie stark die US-Wirtschaft unter dem Angriff leiden wird, hängt nämlich vor allem von den amerikanischen Verbrauchern ab: Ihr Kaufverhalten bestimmt zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA. Ziehen sie sich nun - wie von vielen Fachleuten in einer solchen Situation erwartet - aus Angst vor ihren Fernseher zurück und schieben den Kauf des neuen Autos auf ruhigere Zeiten auf, so würde die bedeutendste Volkswirtschaftder Welt mit großer Wahrscheinlichkeit in eine schwere Rezession schlingern.

Doch es gibt Hoffnung, dass die amerikanische Art zu Denken das verhindert. Selbst in der US-Hauptstadt Washington, die nach Ansicht von Experten das Ziel Nummer eins für Terroranschläge darstellt, gab es bisher keine nennenswerten Hamsterkäufe. Das einzige Gut, das derzeit überall in den Vereinigten Staaten knapp ist, ist die amerikanische Flagge. In den großen Ketten wie dem Supermarkt Wal-Mart waren die Sternenbanner in vielen Städten binnen Stunden ausverkauft. Allein an dem Tag nach dem Anschlag hat Wal-Mart 200 000 Nationalflaggen verkauft. Die Großhandelskette Costco, die in Washington nahe dem Pentagon gelegen ist, hat den Verkauf des Nationalsymbols sogar rationiert: Nur noch eine Flagge samt fünf Meter hohem Fahnenmast pro Person. Selbst viele Börsianer schwenkten bei der Wiedereröffnung der Wall Street nach fast einwöchiger Handelspause kleine Fahnen. Kurzum: Die Amerikaner sind wild entschlossen, ihre Nation vor weiteren Schäden zu bewahren und tun dies in eindrucksvoller nationaler Einheit.

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