Wirtschaft : Post aus Japan: Kein Licht am Horizont

Ulrike Haak

Es war eine Woche der schlechten Nachrichten: am Mittwoch mussten sich Japaner von ihrer populären Außenministerin Makiko Tanaka verabschieden, die von Premierminister Koizumi wegen regierungsinterner Streitereien entlassen wurde, und prompt stand Freitag der nächste Schrecken ins Haus: der Nikkei-Index verlor drastische 206,37 Punkte und so schloss die Tokioter Aktienbörse bei gerade mal 9791,43 Zählern. Die Sorge des Aktienmarkts: Koizumis ohnehin schleppend verlaufender Reformkurs wird sich mit dem Verlust Tanakas, einer wichtigen Stütze seines Kabinetts im Kampf gegen reformunwillige Gegner, weiter abschwächen.

Auf Reformen warten Investoren und Analysten schon seit der Hoffnungsträger Koizumi im Frühjahr vergangenen Jahres sein Amt antrat und sich vor allem die Erneuerung des daniederliegenden Bankenwesen auf seine Fahnen geschrieben hatte - Reformen, die bisher jedoch eher halbherzig ausfielen. Mit der Entlassung seiner Außenministerin Tanaka hat sich Koizumi nun einer starken Stütze entledigt, was allgemein als Zeichen für eine weitere Schwächung seines Reformkurses ausgelegt wird, politisch wie wirtschaftlich. Da hilft wahrscheinlich auch nicht weiter, dass die ehemalige Außenministerin ihrer künftigen Nachfolgerin Yoriko Kawaguchi herzlich alles Gute wünschte und beteuerte, auch in Zukunft das Kabinett Koizumis nach Kräften zu unterstützen. Die populärste Figur einer Regierung, die für Reformen stehen soll, hat Koizumi im politischen Ränkespiel geopfert.

Die magische Marke von 10 000 Punkten hatte der Nikkei am 12. September 2001 dramatisch durchbrochen, einen Tag nach den verheerenden Terrorattentaten in den Vereinigten Staaten. Damals war er auf den tiefsten Stand seit Dezember 1983 gefallen und kam bei 9610,10 Punkten zum Stehen. Seither beherrscht tiefe Verunsicherung die japanische Wirtschaft: die Stimmung ist düster, die Verbraucher halten sich weiterhin zurück, die Arbeitslosenrate kletterte im Dezember auf schwindelnde 5,6 Prozent, und Unternehmen haben geplante Börsengänge erst einmal bis auf unbestimmte Zeit verschoben - darunter auch Nomura Research Institute, das Forschungsinstitut des größten japanischen Wertpapierhauses.

Nach wie vor sind die Banken die schwarzen Schafe der japanischen Wirtschaft. Nach jüngsten Angaben vom vergangenen Freitag hat sich die Last der faulen Kredite auf fast 37 Milliarden Yen vergrößert - ein Zuwachs um mehr als drei Milliarden Yen innerhalb der vergangenen sechs Monate. Japans Wirtschaftspartner, allen voran die Vereinigten Staaten, setzten schon früh die rasche Beseitigung der faulen Kredite ganz oben auf die Liste ihrer Bedingungen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben