Wirtschaft : Post aus Südafrika: Cheeseburger für sieben Dollar

Wolfgang Drechsler

Der Linienflug der SAA von Johannesburg nach Luanda ist zum Bersten gefüllt: Jeder Platz ist besetzt, und aus den Gepäckfächern quellen prall gefüllte Taschen, Rucksäcke und Pappkartons. Viele der fliegenden Händler haben noch Plastiktüten auf dem Schoß, aus denen Papierservietten, Barbiepuppen und Insektencremes lugen.

Einer dieser Händler ist Claudio Pires. Mindestens zweimal im Monat jettet der 27-Jährige zum Shopping von Angola nach Südafrika. Sein schweres Gepäck hindert ihn nicht jedoch daran, selbst jetzt noch munter weiter zu handeln. Hoch über den Wolken verwandelt sich die Kabine in einen afrikanischen Supermarkt gehobener Qualität. Wie seine Kollegen kauft Pires von allem, was das Duty-free Angebot des südafrikanischen Carriers an Luxusgütern im Sortiment hat: Parfüm, Rasierwasser, Seidenkrawatten und edle Kugelschreiber. Am Ende ist nichts mehr übrig. "Wir könnten das Zehnfache verkaufen", sagt die Stewardess.

Für Uneingeweihte ist das Schauspiel an Bord der Maschine schwer zu verstehen. Schließlich gehört Angola nach fast 30 Jahren Bürgerkrieg heute zu den ärmsten Ländern der Welt. Über 80 Prozent seiner zwölf Millionen Einwohner verdienen weniger als einen Dollar am Tag und leben in bitterster Armut. Aber selbst Ärzte und Ingenieure erhalten im Schnitt kaum mehr als 50 Dollar im Monat. Allerdings hat der enorme Ölreichtum des Landes einer kleinen Elite viel Geld in die Kassen gespült. Und ihr Hunger nach Luxus ist groß. Nur: kaufen können sich die Reichen in Angola fast nichts. Denn produziert wird hier bis heute kaum etwas.

An den großen Ausfallstraßen von Luanda reihen sich kilometerlang verlassene Fabriken aneinander. Aber auch die Landwirtschaft kommt wegen des Bürgerkriegs und der verminten Felder nicht in Schwung. Angola, das einst Mais, Kaffee, Baumwolle und sogar Kirschen exportierte, hängt heute am Tropf der internationalen Hilfsorganisationen.

Jedes Ei, jede Banane, jede Schraube und jede Flasche Wein muss deshalb von Händlern wie Claudio Pires ins Land geschafft werden. Das Geschäft ist schon deshalb lukrativ, weil die angolanische Zentralbank die Lokalwährung Kwanza künstlich auf einem hohen Niveau hält. Ebenso hoch sind naturgemäß die Preise. Kein Wunder, dass Luanda nach einem Bericht der Vereinten Nationen im letzten Jahr gleich hinter Tokyo und New York die drittteuerste Stadt der Welt war. Ein Cheeseburger mit Pommes kostet hier fast sieben US-Dollar und damit fünfmal mehr als im viel reicheren Südafrika. Noch teurer ist ein kurzer Lokalanruf, der

selbst innerhalb Luandas mehrere Dollar pro Minute verschlingt.

Auch in vielen anderen Orten Afrikas, vor allem an Kriegsschauplätzen, ist die Situation nicht viel besser. Besonders teuer sind für gewöhnlich jene Städte, in denen UN-Mitarbeiter, Entwicklungshelfer, Diplomaten, Waffenschieber und Journalisten um die wenigen Unterkünfte, Taxis oder Lebensmittel buhlen. In Freetown, der zerstörten Hauptstadt von Sierra Leone, aber auch in Somalia oder dem Kongo kosten Hotelzimmer in Ermangelung von Konkurrenz 100 Dollar oder mehr. Dafür gibt es statt einer funktionierenden Dusche oft nur einen gefüllten Wassereimer.

Die reichen Angolaner stören sich kaum an der tiefen Kluft in ihrem Land. Wer arm ist, heißt es, ist daran selber schuld. Mit besonderer Vorliebe werden Rolex-Uhren oder nagelneue Luxuskarossen gekauft. Dass die Straßen in Luanda mit Schlaglöchern übersät sind und man oft nur im Millimetertakt voran kommt, ist den meisten egal. Gehandelt wird nach dem Motto: Zeige niemals eine Schwäche, aber möglichst viel von deinem Reichtum.

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