Wirtschaft : Post aus Südafrika: Im Urlaub zum billigsten Big-Mac der Welt

Wolfgang Drechsler

Ein gediegenes Abendessen für zwei mit einem edlen Tropfen Cabernet für 50 Mark? Ein Kinobesuch für 4 Mark 50? Und ein Filterkaffee für 90 Pfennig? Südafrika macht es derzeit möglich. Dank der Schwindsucht seiner Randwährung gehört die Republik am Kap derzeit zu den billigsten Urlaubsländern der Welt. So stark ist der Wertverfall der Lokalwährung zuletzt gewesen, dass Südafrika (Foto: dpa) inzwischen das etwas dubiose Privileg besitzt, das weltweit einzige Land zu sein, in dem ein Big-Mac-Hamburger weniger als einen Dollar kostet.

Ein Blick auf den "Big Mac"-Index, der die Kaufkraft von Währungen misst und von dem britischen Wirtschaftsmagazin "Economist" verwendet wird, belegt jedenfalls, dass der Rand nach seinem jüngsten Absturz die am stärksten unterbewertete Währung der Welt ist, gefolgt vom philippinischen Peso und dem chinesischen Renminbi. Was Touristen aus Übersee zum Kaufrausch animiert, wird für Südafrikas Jetsetter immer mehr zum Problem. Flugtickets haben sich in den letzten drei Monaten drastisch erhöht, ohne dass die Gehälter angezogen wären. Konnte man noch Anfang September für 3500 Rand (etwa 700 Mark) nach Europa und zurück fliegen, kostet das nun mehr als doppelt so viel.

Besonders hart trifft all dies die englischstämmigen Südafrikaner. Sie leben seit jeher am Kap wie in einem Ersatz-Europa, das an die Südspitze Afrikas getrieben ist. Nur wenige von ihnen haben sich deshalb auch bislang in afrikanische Terra incognita vorgewagt und sind statt dessen Jahr für Jahr auf Pilgerfahrt in die alte Heimat gegangen. Die scheint sich nun zu ändern: Immer häufiger trifft man sie an der Mangrovenküste von Mosambik oder sogar beim nördlichen Nachbarn Simbabwe, wo das Urlauben nach dem politischen Amoklauf von Präsident Robert Mugabe und dem Totalkollaps des dortigen Sim-Dollars selbst für Südafrikaner erschwinglich ist.

Und bei Touristen von der Nordhalbkugel ist Südafrika wegen der niedrigen Preise einer der Renner der Wintersaison. Briten und Deutsche strömen jedenfalls in solchen Scharen an die Südspitze Afrikas, dass die Lufthansa ihre Flüge hierher seit Anfang Dezember bereits verdoppelt hat.

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