Wirtschaft : Post aus Tokio: Single-Frauen in Spendierhosen

Ulrike Haak

Wie arbeitet man in Amerika und Afrika, wie legt man Geld in Japan oder Russland an? Fernab von Nachrichten über Fusionen und das Auf und Ab der Börse berichten Korrespondenten immer sonntags über die Menschen hinter den Nachrichten - in Washington, Kapstadt, Tokio und Paris.

Shinichi Kubo, 36, Angestellter bei Japans größter Reiseagentur JTB, gibt etwa 4 500 Euro im Jahr nur für sein Hobby, das Hochseeangeln, aus. Für gesellige Abende mit Freunden in den Tokioter Kneipen gehen im Monat locker 900 Euro drauf. Ausgaben, die für den verheirateten Durchschnittsverdiener seines Alters mit Frau und Kind unvorstellbar wären. Und so wünscht sich Kubo auch eine finanziell unabhängige, beruflich erfolgreiche Dame seines Herzens zur Ehefrau.

Aber zum Heiraten gehören nun mal zwei. Zwei, die sich auch im Japan von heute immer schwerer zu finden scheinen: schon fast die Hälfte aller japanischen Männer zwischen 30 und 34 ist Single - vor fünfzehn Jahren war nicht mal jeder Dritte im selben Alter noch alleinstehend. Und während im Jahr 1985 gerade mal jede zehnte Japanerin über 30 noch ledig war, ist es heute jede dritte. Derweil hat ein krasser Imagewandel stattgefunden: Alleinstehende berufstätige Frauen im heiratsfähigen Alter gelten heutzutage als die freiesten und entspanntesten Menschen der Nation - vielleicht sogar die einzigen freien und entspannten Menschen in einem Land, in dem das Zusammenleben immer noch von starken Hierarchien geprägt ist. Und die ledigen Damen sind ein verlässliches Element des Binnenkonsums. Den Aufschwung in einigen Branchen wie dem Gaststätten- und Hotelgewerbe oder der Unterhaltungsindustrie haben zum Großteil die spendierfreudigen Singlefrauen zu verantworten.

Die Verkaufstrategen der Unternehmen haben sich längst eingestellt auf die anspruchsvolle, zahlungskräftige weibliche Klientel. Nur einer der neusten Hits für die Diamanten behängte Lady mit kostbarem Louis-Vuitton-Täschchen am Arm: exklusive Verwöhnwochenenden in Nobelherbergen nur für Frauen. Vom Schönheitsprogramm bis zur Unterhaltungsgala ist alles geregelt. Und um eine ungezwungene Atmosphäre zu garantieren müssen Männer draußen bleiben.

Selbst wenn Singles wie Shinichi Kubo sich heute auf die Suche machen - die in Frage kommenden Ladies denken bis Mitte dreißig noch nicht ans Heiraten. Zwar beginnt nach Forschungen der Buchautorin Takayo Yamamoto die japanische Single-Frau nach 35 an Kinder zu denken - doch mit dem Heiraten würden sie am liebsten noch zwei Jahre warten. Ein dicker Widerspruch: Zwar soll es irgendwann das Kind und der dazugehörende Mann sein, doch auf ihren Lebensstil möchten die erfolgreichen, von der Werbebranche gehätschelten Karrierefrauen nicht verzichten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben