Wirtschaft : Post-Chef Zumwinkel sagt der Telekom ab

Nun steigen die Chancen für eine interne Lösung bei der Neubesetzung der Spitzenposition

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Berlin (fo). Die Chance der Deutschen Telekom auf eine hochkarätige externe Besetzung des Chefpostens hat sich deutlich verschlechtert. Nach der klaren Absage des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, besteht nur noch wenig Hoffnung, dass ein Top-Manager eines großen Konzerns die schwierige Aufgabe übernimmt. Diese Auffassung vertreten Personalberater. Gegenüber dem Tagesspiegel wiesen sie auch darauf hin, dass schon viel zu viele Spitzenkandidaten „für diesen Job auf dem Präsentierteller“ im Gespräch waren. Die meisten Kandidaten davon haben inzwischen öffentlich abgewunken – wobei nicht immer klar war, ob sie zuvor überhaupt angesprochen oder nur von den Medien ins Gespräch gebracht worden waren.

Einige Experten gehen davon aus, dass jetzt „ein unbekannte Mann aus der zweiten Reihe“ das Rennen machen wird. Dabei wird auf das Beispiel RWE verwiesen. Bei dem Essener Energiekonzern übernimmt der bislang nur in Fachkreisen bekannte Shell Manager Harry Roels den Vorstandsvorsitz.

Zugleich wachse mit der Absage Zumwinkels die Chancen für eine interne Lösung, meinen die Experten. Als aussichtsreicher Kandidat aus dem Konzern gilt T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke. Ricke ist jedoch ein Mann Ron Sommers, der wegen des Streits mit dem Aufsichtsrat um die richtige Strategie Anfang Juli ausstieg. Sommer hatte auch den Rückhalt des Bundes als Großaktionär verloren. Ricke wird mitverantwortlich gemacht für die hohen Schulden der Telekom, denn unter seiner Regie wurde der 35-Milliarden-Euro-Kauf des US-Mobilfunkers Voicestream eingefädelt. gegen ihn, so die Berater weiter, spreche auch die geringe Auslandserfahrung sowie sein Alter. Ricke ist 41 Jahre. Er gelte damit als Vertreter der Internet-Generation, die in Zeiten der Sanierung und Restrukturierung nicht mehr gefragt sei, heißt es weiter.

Über die Besetzung des Telekom-Chefpostens wird seit dem Rücktritt Sommers spekuliert. Neben dem ehemaligen VW-Chef Ferdinand Piëch und dem Debis-Vorstandsvorsitzenden Klaus Mangold sind Porsche-Chef Wendelin Wedeking, der frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel oder Kajo Neukirchen, Chef von MG Technologies, genannt worden. Der 72jährige Ex-Aufsichtsrat Helmut Sihler führt die Telekom nur vorübergehend. In der Branche hieß es am Montag, es würden weiterhin Gespräche mit externen Kandidaten geführt. Neue n wurden allerdings nicht genannt. Ende des Monats wolle das Präsidium des Aufsichtsrats über die in die engere Wahl gekommenen Bewerber beraten. Bis Ende des Jahres soll ein Nachfolger gefunden werden, hatten Sihler und der Aufsichtsratsvorsitzende der Telekom, Hans-Dietrich Winkhaus, angekündigt.

Am Montag gab Post-Chef Zumwinkel der Telekom einen Korb. Er schrieb an seine Mitarbeiter: „Ich bleibe Vorstandsvorsitzender der Deutsche Post World Net.“ Die Anfrage ehre ihn zwar, doch sei er mit Freude Postchef. Damit bestätigte er auch indirekt, dass ihm eine Offerte von Winkhaus vorlag. Darüber war Ende vergangener Woche in Medienberichten spekuliert worden. Winkhaus hatte dem Tagesspiegel noch vergangene Woche erklärt, er suche einen „erfolgreichen Manager mit internationaler Erfahrung.“ Der Kandidat müsse durchsetzungsstark sein, um die Konsolidierung der hochverschuldeten Deutschen Telekom voranzutreiben.

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