Wirtschaft : Post: Die AG sieht keinen Spielraum für Portosenkung

Karen Wientgen

Die erste Hauptversammlung der Deutschen Post AG seit dem Börsengang im vergangenen November sollte eine Werbe-Kampagne werden, um der Negativ-Stimmung für die siechende Aktie Gelb entgegenzuwirken. Eine Aktionärsversammlung als fröhliches Medienspektakel: Bereits am Bahnhof standen gewaltige gelbe Schilder, um den Menschenströmen den Weg zu weisen. Vor der Kölnarena war gelb geflaggt. Und bevor der Aufsichtsrat vor den 5000 Aktionären das Wort ergriff, flimmerte ein Werbefilm in Sachen Post, der den Rundumschlag von buddhistischen Mönchen über eine Pianistin bis hin zu Kindern schaffte.

Am offensichtlichsten wurde aber die Marketingbemühungen der Post an den zahlreich aufgestellten gelben Bullen mit aggressiv vorgestreckten Hörnern: Denn vom Emissionskurs von 21 Euro ist der Post-Aktienkurs um 13 Prozent gefallen und dümpelt seit einigen Monaten bei 18 Euro.

Vorstandschef Klaus Zumwinkel erklärt einmal mehr, damit unzufrieden zu sein. Doch sei er der Überzeugung, dass der Kursverlauf angesichts der guten Positionierung in der Wachstumsbranche Logistik "unterbewertet" sei. Er kündigte an, "unsere Kommunikationsanstrengungen noch weiter verstärken" zu wollen.

Zumwinkel betonte, das Rekordjahr 2000 in diesem Jahr noch übertreffen zu wollen. Die Post hatte das Ergebnis aus betrieblicher Tätigkeit um 158 Prozent auf rund 2,4 Milliarden Euro gesteigert, der Jahresüberschuss wuchs um 48 Prozent auf 1,53 Milliarden Euro. Der Post-Vorstandschef erklärte, bei der Umsetzung seiner weltweiten Expansionsstrategie habe der Konzern jetzt wichtige Etappenziele erreicht. "Wir sind der am breitesten aufgestellte und im internationalen Bereich größte Logistikdienstleister der Welt". Jetzt gehe es darum, die riesigen Potenziale des Konzerns zu nutzen, Synergien zu heben und Marktpotenziale auszuschöpfen.

Für den erfolgreichen Umbau vom einstigen Staatsunternehmen zur Deutschen Post AG und börsennotierten, internationalen Dienstleistungskonzern erntete der Post-Vorstandschef Lob; sowohl vom Aufsichtsrat als auch von Aktionärsvertretern. "Wir erleben eine langfristige Erfolgsgeschichte", sagte etwa Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz aus Düsseldorf (DSW).

Dennoch musste sich der promovierte Ökonom und langjährige McKinsey-Mitarbeiter Zumwinkel auch kritische Fragen anhören. Als ein Hauptproblem machten verschiedene Aktionärsvertreter erneut die Abhängigkeit der Post vom Briefgeschäft aus, das mit zwei Dritteln den Löwenteil zum Erlös beiträgt. Erst 2007 wird das Postmonopol auf Briefsendungen bis 200 Gramm wegfallen. Kritisch angemerkt wurde wieder die politische Situation, die auf den Kurs der Aktie drücke: Der Bund hatte angekündigt, eine zweite Tranche an die Börse zu bringen. Bislang sind 31 Prozent in Streubesitz, der Rest ist direkt oder indirekt über die Kreditanstalt für Wiederaufbau in Bundesbesitz. Hocker von der DSW sprach in diesem Zusammenhang sogar von "Sippenhaft". Die Anleger hätten ein Elefantengedächtnis und würden die schlechten Erfahrungen mit den weiteren Tranchen der Telekom AG nicht vergessen. Hocker forderte die Post darum auf, den Aktienrückkauf zu erwägen, wenn eine weitere Tranche an die Börse kommt, um auf diese Weise die Kapitalmärkte zu entlasten.

Zumwinkel versuchte, die Bedenken der Aktionäre zu zerstreuen. Er gehe davon aus, dass die Briefmarkenpreise über den 31.12.2002 stabil bleiben würden. "Wir sehen keinen Spielraum für Preisreduzierungen". Außerdem verteidigte er die weitere Privatisierung: Diese sei von vornherein geplant gewesen und grundsätzlich auch positiv zu sehen. Ein "mögliches Zeitfenster" für die nächste Tranche könnte "Mitte des nächsten Jahres sein".

Am 20. November hatte der Bund 29 Prozent des Unternehmens an die Börse gebracht. Dabei wurde ein Emissionserlös von 6,6 Milliarden Euro erzielt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben